13.11.2007 – Necro / MC Basstard – Berlin, Kato

NECRO ist ein dicklicher Weißer aus Brooklyn und damit alles andere als der Inbegriff des markigen Rappers. Death-Rap nennt der bullige Endzwanziger seinen durch Brutalo-Texte zur Aufmerksamkeit gemahnenden Stil, der sich durch die Freundschaft zahlreicher Größen des Hardcore – und damit verbunden namhafter Gastmusiker – auch beim Rap-Core bedient. Vor Publikum kommen die Instrumente vom Band, die Technik hat schon genug damit zu tun, die wummernden Bässe und das tosende Organ des Sprechsängers im Gleichgewicht zu halten.

Vor ihm trat im Berliner Kato Lokalmatador MC BASSTARD nebst unterstützender Begleitung auf und deckte textlich in etwa die gleiche Sparte ab wie Hauptattraktion NECRO. Da geht es um die Schlechtigkeit der Welt, der Menschen – und natürlich Gewalt. Die am besten ausgeschmückt, damit auch jeder gleich weiß, woran er ist. Die gut 160 Anwesenden gingen es verhalten an, ließen sich vom aufgeforderten Namenrufen aber gern zur Interaktion einladen. Also wurden Biergläser und Arme in die Höhe gereckt und eifrig vokale Konter aufgefahren.

Soundtechnisch hatte das den nötigen Bums und klang in etwa so, als würde eine Armada von tiefer gelegten Karossen bei voll aufgedrehter Hifi-Anlage durch Kreuzberg cruisen. Als Anheizer holte MC BASSTARD einiges aus der recht kurzen Warmlaufphase heraus, wenn die von ihm aufgetragene Skelettjacke auch nach nicht mal einer halben Stunde schon wieder durch den Raum flanierte. Länger hingegen hatte das Publikum etwas von NECRO, der die Meute eine gute Stunde auf Trab hielt. Der kleine Club kochte, als in der Hauptsache sein jüngstes Album „Death Rap“ bedacht wurde.

Auch seine Mitstreiter legten sich kräftig ins Zeug, als es daran ging, die Achse Berlin-Brooklyn durch abwechselndes Städterufen zu bekräftigen. Daneben waren es wiederholte Spielchen wie „I say Porn, you say Porn“, die zur munteren Stimmungsmache beitrugen. Die erstaunlich dünn vertretene Damenwelt kam ebenfalls zu (fragwürdigem) Zuge, wurde auf der Bühne mit Wasser übergossen und sollte die Oberteile lüften. Als sich darauf Zögern einstellte, wurden sie freundlich zurück in die Menge gescheucht. Vorgelebter Sexismus kann auch Spaß machen. Vermutlich nur nicht den betroffenen Mädels, die bei klirrender Kälte sicher einen unvergesslichen Heimweg antraten.

NECRO gab sich überaus publikumsnah, klatschte fortwährend beim tobenden Mob ab und mühte sich vergeblich, dem Pulk einen Circle Pit abzuringen. Die Resonanz auf seine Tracks war beeindruckend und ließ schnell vergessen, dass dies kein Stadion, sondern „nur“ das Kato unter der Hochbahn war. Selbst ohne Hang oder Zugang zur Musiksparte des schnell gesprochenen Wortes bot diese „Pimp My Club“-Veranstaltung enormen Unterhaltungswert. Was hätte schlichtes Poserschaulaufen werden können, mauserte sich zu einem frenetischen Szeneeinblick mit weitgehendem Verzicht auf bloße Attitüdenpflege. „I say Porn, you say …“. Primitiv, aber wirkungsvoll.

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