12.09.2025 – Kaput Krauts / Theilen – Düsseldorf, Linkes Zentrum Hinterhof

In politisch zunehmend aufgewühlten Zeiten gilt es mehr denn je, subkulturelle Freiräume zu schützen. In Düsseldorf ist einer davon das Linke Zentrum in Friedrichstadt. Während die AfD u. a. damit Kommunalwahlkampf betrieb, linke Kultureinrichtungen wie das Zakk von der finanziellen Bezuschussung abkapseln zu wollen, wurde im Hinterhof der Düsseldorfer Zweigstelle der Linken genau jene freiheitliche Auffassung subkultureller Auslebung vorgemacht. Mit musikalischer Beschallung durch THEILEN und die KAPUT KRAUTS gelang das mit Bravour.
Die Erstgenannten sorgten auch für den passenden Aufhänger, veröffentlichten sie doch unlängst ihr Debütalbum, „Niederbrennen Weitermachen“. Nach einer Record-Release-Show im altehrwürdigen Sonic Ballroom zu Köln war dies die zweite, um beiden Heimathäfen des Vierers gerecht zu werden. Wer allerdings durch die früh durch den Kneipenteil schallende Musikdröhnung in den angeschlossenen Konzertraum mit Garagen-Charme gelockt wurde, erntete von THEILEN-Sängerin Dietlind ein freundliches „Das ist nur der Soundcheck, verpisst euch!“. Freiheitliche subkulturelle Auslebung meint eben auch spontane Gefühlseruptionen.
Von denen sollte es allerdings noch einige mehr geben. Und das nicht nur aus vorgespielter Dankbarkeit darüber, dass die rund 100 Anwesenden diese Punk-Show besuchten und nicht den parallel stattfindenden Auftritt der TOTEN HOSEN im Ratinger Hof. Kurze HOSEN-Cover-Ausflüge zum jeweiligen Konzertbeginn gab es jedenfalls sowohl bei THEILEN als auch den KAPUT KRAUTS. Bevor aber das Gespann aus Berlin und dem Ruhrpott aufspielte, stellten die Rheinländer*in ihre Platte vor – und gaben diese mit Ausnahme des ironischen „Brautstrauß“ auch gleich komplett zum Besten. Obendrauf setzte es ein Cover des u. a. von Leonard Cohen gesungenen Widerstands-Songs „The Partisan“.
Was THEILEN zum Erlebnis macht, ist der DIY-Ansatz, der den altschulisch geprägten Punk gerade live sympathisch schnoddrig erscheinen lässt. So müssen beim meist weiblichen, mal männlichen Gesang beileibe nicht alle Töne getroffen werden und ob der Sound nun klar oder dröhnend aus den Boxen dringt, erscheint ebenfalls irrelevant. Hauptsache es kracht! Und das eben auch mit klarer Haltung. Die „Songs über Arschlöcher“ – solche wie „Dorfmatratze“ – wurden CSU-Chef Markus Söder gewidmet, dessen Vergleich zwischen der deutschen Wirtschaft und dem Unterleib einer Frau mal wieder Fassungslosigkeit hervorruft. Und Fremdscham. Jedenfalls wurden THEILEN gefeiert; auch von sich selbst, mit Sekt und Pfeffi. Es blieb ihnen gegönnt.
Bei den KAPUT KRAUTS ist immer noch erstaunlich, dass ihr Deutsch-Punk mit Post-Ader nicht längst größere Kreise zieht. Aber manche Bands bleiben wohl ein ewiger Geheimtipp. Der Schaden des Publikums war es nicht. Denn der mit Synthie-Ausflügen, Beats und eingestreuten Samples bereicherte Sound des Vierers (an diesem Abend kam ihnen die zweite Gitarre abhanden) bot einen bunten Strauß aus Innehalten und Krawall. Dass ein Gutteil des Sets aus Songs des jüngsten Albums, „Vom Feeling her ein scheiß Gefühl“ bestand – darunter „Fehlkauf“, „Use Your Disillusion“, „13:21 Uhr. Scheiße, verspätet“, „Tja“, „Rückhand mit Kippe“, „Fakten, Fakten, Fakten“, „Sexualtheologie, zweites Semester“ und „Schlachtrufe“ – sollte angesichts der Qualität keineswegs überraschen.
Allerdings wurde natürlich auch das ältere Schaffen bedacht, u. a. mit „Mindestens haltbar bis…“ und dem kollektiv gefeierten „Auto?“. Dass der Raumklang auch bei den KAPUT KRAUTS die Verständlichkeit des Gesangs kassierte, bescherte der Wirkung keinen Abbruch. Und der Stimmung ebenso wenig. Daher können wir weiterhin dankbar dafür sein, dass Subkulturen und deren Entfaltung gefördert werden. Kämpfen wir dafür, dass das auch zukünftig so bleibt!
