11:14 – Elevenfourteen (USA/CDN 2003)

elevenfourteenDies ist wieder einmal eine ungewöhnliche Geschichte, die von den hiesigen Verleihfirmen in Form des kleinen Geheimtipps „11:14“ erzählt wird. Bereits im Rahmen des Fantasy Filmfests lief das Regiedebüt von Greg Marcks 2003 in ausgewählten kleinen Lichtspielhäusern des Landes, um aber erst jetzt seinen verdienten Weg in die deutschen Kinos zu finden.

Ort des Geschehens ist eine Kleinstadt in Kalifornien, kurz nach elf Uhr abends. Die Bürgersteige wurden bereits vor Stunden hochgeklappt, als sich der angeheiterte Jack (Henry Thomas) mit seinem Wagen auf dem Weg zu seiner Freundin befindet. Wie aus heiterem Himmel wird plötzlich unter einer Unterführung etwas von seinem Wagen erfasst. In der Annahme, einen Hirsch angefahren zu haben, steigt Jack geschockt aus dem Auto, muss jedoch schnell sehen, dass es sich bei dem Opfer um einen Menschen handelt. In panischer Angst stopft er die Leiche in den Kofferraum, als neben ihm eine Frau mittleren Alters namens Norma (Barbara Hershey) hält.

Diese warnt ihn kurz vor hier passierenden Hirschen und fährt weiter. Der kurze Zeit später anhaltende Polizist Hanagan (Clark Gregg) lässt sich jedoch nicht so einfach abspeisen und öffnet den Kofferraum. Inmitten des Trubels flüchtet Jack in den Wald. Officer Hanagan verfolgt den vermeintlichen Mörder, diese Situation nutzen aber die beiden bereits im Auto sitzenden Buzzy (Hilary Swank) und Duffy (Shawn Hatosy) zur Flucht, die fast unmittelbar vor diesen Geschehnissen ebenfalls merkwürdige Dinge erlebten. Und dahingehend sind sie in dieser Nacht nicht die einzigen Personen.

Filmneuling Greg Marcks hat mit seinem Debüt einen respektlosen und äußerst amüsanten Film geschaffen, der gekonnt die Schicksale unterschiedlicher Personen in einer Nacht verknüpft, deren Leben sich schlagartig um 11:14 Uhr ändert. Dabei geht es Marcks jedoch weniger um eine tragische Darstellung seiner Figuren, sondern vielmehr um eine Aneinanderreihung absurder und tiefschwarzer Geschehnisse, bei denen ein loser Grabsteinsockel, ein abgeschossener Penis und eine mehrfach vorgetäuschte Schwangerschaft nur die Spitze des Eisberges sind.

Neben der völlig ungenierten Erzählung sind es aber vor allem auch die Darsteller, die maßgeblich zum Gelingen des Films beitragen. Obwohl stets nur einige Minuten auf der Leinwand zu sehen (der Film geht gerade einmal schlappe 80 Minuten), können Darsteller wie die doppelt Oscar-prämierte Hilary Swank („Million Dollar Baby“) glänzen. Diese verkörpert eine leicht unterbelichtete Tankstellenangestellte, die von Shawn Hatosy („The Cooler“) in den Arm geschossen wird, dies aber nur aus dem Grund, da dieser Geld für die vermeintliche Abtreibung von Rachael Leigh Cook („Eine wie keine“) benötigt. Patrick Swayze („Donnie Darko“) spielt überzeugend, wie eigentlich immer in seinen Nebenrollen der letzten Zeit, einen besorgten Familienvater mit dezentem Übergewicht, der seiner Tochter den Knast ersparen will und die Leiche ihres Freundes entsorgt.

Dies sind nur einige Geschehnisse, Pannen und Absurditäten, die Greg Marcks seiner illustren und gut aufgelegten Darstellerriege zumutet. Irrungen und Wirrungen am laufenden Band, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild entwickeln. Nicht so schwierig und vielschichtig wie „Memento“ und auch nicht so dramatisch wie „Magnolia“, dafür aber um einiges lustiger.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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