10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen (AUS 2006)

10kanus„10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen“ ist ein filmisches Denkmal für die Ureinwohner Australiens. Und ihre Kultur, die der niederländische Regisseur Rolf de Heer („Bad Boy Bubby“) in seinem ethnologischen Märchen mit dokumentarischer Zielstrebigkeit einfängt. Zusammen mit den schauspielernden Aborigines, die mit ihrer Sprache erstmals einen ganzen Spielfilm füllen dürfen, zeichnet er ein authentisches Bild dieses in der alltäglichen Wahrnehmung nahezu vergessenen Naturvolkes nach.

Mit leisem Humor und grandiosen Naturaufnahmen schreitet de Heer in der Zeit zurück und erzählt ein Moralstück, dessen Langsamkeit Sitzfleisch erfordert. Da liegt das größte Problem, denn dem Filmemacher gelingt es zwar eine ansteckende Faszination für die Protagonisten und ihre Lebensweise, nicht aber die darüber gestülpte Geschichte zu wecken. Zumal diese gleich über zwei Rückgriffe funktioniert. Die erste führt etwa 1000 Jahre zurück und fungiert als Rahmenhandlung der zweiten, die gar auf die Ahnen der Ahnen verweist.

Jener Rahmen handelt von Dayindi (Jamie Dayindi Gulpilil Dalaithngu), der eine der drei Frauen seines Stammesbruders Minygululu (Peter Minygululu) begehrt. Um Konflikte von vorneherein auszuräumen, erzählt Minygululu dem Nebenbuhler eine Geschichte, die ihn auf den rechten Pfad der überlieferten Stammesgesetze zurückführen soll. Darin verguckt sich auch Yeeralparil (abermals Dalaithngu) in eine bereits vergebene Frau, die jüngste seines Bruders Ridjimiraril (Crusoe Kurddal). Als ein mysteriöser Fremder auftaucht, der angeblich über magische Kräfte verfügt und darauf eine von Ridjimirarils Gemahlinnen verschwindet, löst der Gatte eine folgenschwere Fehde aus.

Die Poesie der Bilder und die lehrreiche Annäherung an Kanubau und Jagdrituale verleihen der Parabel eine Erhabenheit, die von der angestrengten Narration und dem als Wegweiser fungierenden Off-Erzähler getrübt wird. Gleichwohl der Unterhaltungswert, der bei aller Ambition und dem erhöhten Anspruch einfach zu oft verworfen wird. So bleibt schlussendlich ein faszinierender wie amüsanter, anbei aber oft auch einfach langatmiger Exkurs in eine vernachlässigte Welt übrig.

Wertung: (6 / 10)

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