08.01.2006 – Lagwagon / A Wilhelm Scream / Sub Simplex – Köln Live Music Hall

lagwagon-band-2006Dieser Sonntag zeigte mal wieder eindeutig, wenn die Erwartungshaltung nicht so dolle ist, dass an einem doch eher belanglos anmutenden Wochenendtag eine ganze Menge passieren kann. LAGWAGON waren mal wieder zurück in Deutschland, ihr neues Album „Resolve” und die Nitro-Hoffnung A WILHELM SCREAM mit im Gepäck. Eine äußerst lohnenswerte Mischung. Zeitig machte ich mich erst mal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg nach Köln, wieder mal ein Interview mit LAGWAGON stand auf dem Programm. Vorher gab es jedoch noch eine kleine Taxi-Stadtrundfahrt mit A WILHELM SCREAM-Sänger Nuno, dem man einen Tag vorher sein Asthma-Spray stibitzte und dieser dringend Nachschub benötigte. Doch auch dieses Problem wurde Dank tatkräftiger Hilfe eines Kölner Droschkenkutschers und freundlicher Unterstützung durch das deutsche Krankenversicherungswesen behoben.

LAGWAGON gehören zu den alten Hasen, sind beliebt wie vielleicht (fast) niemand anders und eine treue Fangemeinde ist ihnen gewiss. So füllte sich auch die Live Music Hall sehr schnell, beinahe zu schnell und als SUB SIMPLEX aus Düsseldorf mit ihrem Set begannen, war die Halle schon fast überfüllt. Ausverkauft liest sich immer ganz toll, doch das Gedränge, vor allem auch im hinteren Bereich, war mit dicker Bekleidung (es war saukalt!) schon etwas lästig. SUB SIMPLEX legten einen engagierten halbstündigen Auftritt hin, vor einigen Monaten hab ich sie ja erst um die Ecke im kleinen Sonic Ballroom gesehen, auch heute machten sie vor 1.500 Menschen und auf einer größeren Bühne eine gute Figur. Ein Name, den man sich durchaus merken darf.

Nach einer recht kurzen Umbaupause betraten dann A WILHELM SCREAM die Bühnenbretter und ich hatte so den Eindruck, dass das Kölner Publikum nicht so ganz warm mit ihnen geworden ist. Der letzte Funke sprang irgendwie nicht so ganz über, wenn die Band auch sichtlich Spaß daran hatte, hier vor diesem Publikum Material ihres neuen Albums „Ruiner” vorzustellen, von dem u.a. „The King is Dead”, „The Soft Sell” oder „Killing It” gespielt wurden. Vor allem Frontmann Nuno zeigte sich äußerst agil und von den leichten stimmlichen Problemen wenige Stunden zuvor war nicht viel zu spüren. Für mich ein überzeugender Auftritt, wenn auch der Sound recht drucklos und definitiv zu leise war, denn eine Unterhaltung war jederzeit möglich, ohne schreien zu müssen.

Vor allem sound- und stimmungstechnisch tat sich jedoch einiges, als ein verschmitzt grinsender Joey Cape mit seinen Mitstreitern die Bühne gegen 10 vor 10 enterte. Der Sound war den ganzen Auftritt über erste Sahne, letztlich so, wie man es meist von der Kölner Halle gewohnt ist. LAGWAGON legten forsch los, gespielt wurde einiges vom aktuellen Album „Resolve” (u.a. „Automatic”, „Runs in the Family”, „Sad Astronaut”), doch vor allem griffen LAGWAGON auch tief in die Plattenkiste. Dies freute selbstredend das Publikum und auffällig war, dass einige vornehmlich auch nur wegen dieser Songs gekommen waren. Das Publikum wirkte insgesamt älter als bei den letzten Gastspielen der Band und neben uns stand dann auch eine kleine Gruppe von Mit- bis Endzwanzigern, die man auf den ersten Blick nicht bei einem LAGWAGON Konzert vermuten würde und die bierselig bei Stücken wie „Angry Days” oder „Island of Shame” lauthals mitgröhlten. Es war für jeden etwas dabei, „Sleep” wurde ebenso wenig ausgelassen wie „Making Friends”, „May 16″ oder „Violins” und im Zugabenteil gab es sogar die LAGWAGON’sche LL COOL J-Interpretion von „Momma Said Knock You Out” zu hören.

Die Band selbst wirkte relaxt, nah am Publikum und gut aufgelegt. Sänger Joey Cape sollte vor der Show mit stimmlichen Problemen zu kämpfen gehabt haben, davon war aber auf der Bühne nicht so viel zu spüren. Am amüsantesten sind immer noch seine „Duelle” mit Gitarrist Chris (mit langen Haaren und deutlich dickerer Plautze), die es natürlich auch wieder gab und hier nicht nur der Größenunterschied von etwa einem Meter für amüsantes Zwischengeplänkel sorgte. Doch auch ihr zweiter Gitarrist Chris wusste mit einem vorgetragenen Kinderlied für Stimmung zu sorgen. Während des Konzertes gab es dann sogar noch einen Heiratsantrag auf der Bühne, was das Publikum nach den üblichen Zwischenrufen dennoch mit Applaus würdigte. Nach etwa 75 Minuten und mit „Razor Burn” als krönendem Abschluss entließen LAGWAGON ein sichtlich zufriedenes Publikum in die kalte Nacht. Für mich persönlich ein ungemein abwechslungsreicher Tag mit einem der besten LAGWAGON-Konzerte ever. Wie kann eine Woche besser enden…..

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