06.03.2011 – Eric Davidson (New Bomb Turks) / Johnny Throttle – Berlin Cortina Bob

ericdavidson2011Eine Buchpräsentation vom Punk für Punks. Oder so ähnlich. Eric Davidson, Frontmann der längst aufgelösten, aber hin und wieder dankenswerterweise noch live zu erlebenden NEW BOMB TURKS hat mit „We Never Learn: The Gunk Punk Undergut 1988-2001“ die letzte Welle des rotzig scheppernden Garagen-Punk n’ Roll Revue passieren lassen. Mit seiner Band war er selbst Teil einer Szene, die (trotz des Einsatzes von Crypt Records in unseren Breiten) außerhalb Amerikas kaum als solche betrachtet wurde. Aufgehorcht wurde vielerorts erst, als ihre Erben, allen voran THE HIVES, zu Charts-Stürmern avancierten.

Sein Werk, aus dem er nach eigenen Bekundungen diverse um Fäkalien kreisende Anekdoten herauskürzen musste, damit die vom Verlag vorgegebene Wortspanne eingehalten werden konnte, stellt Davidson im Rahmen einer Quasi-Lesetour in verschiedenen Teilen der Welt vor. Auch in Berlin, wo das Kreuzberger Cortina Bob die Pforten für Bier, Anekdoten und natürlich trashigen Punk-Rock öffnete. Der Autor ließ samt Musikkoffer, Beamervortrag und Leseausgabe auf sich warten – und warf schließlich die Frage auf, ob diese Form der Eigenwerbung tatsächlich auf viel Gegenliebe stößt.

Denn nach kurzer Einleitung, in der der Erfahrungsschatz des sympathischen Referenten Lust auf mehr machte, las er wie im Geschwindigkeitsrausch eine Passage über seine Heimatstadt Columbus, Ohio, vor, der schließlich auf eine Leinwand projizierte Clips von verschiedenen Vertretern jener Garage-Punk-Bewegung – darunter THE DWARVES, THE SUPERSUCKERS, THE OBLIVIANS, ROCKET FROM THE CRYPT und (natürlich den NEW BOMB TURKS – folgten. Und das war es dann leider auch schon. Bei manchen Songs sang Davidson übers Mikro mit oder gab kurze Kommentare ab. Die Faszination hielt sich aber doch spürbar in Grenzen.

Spannender wäre mit Sicherheit eine wechselseitige Verbindung von Lesung und Videos gewesen. Über „We Never Learn“ erfuhren die rund 30 Interessierten auf diesem Wege aber kaum etwas. Archivmaterial, unter anderem aus der alten Viva-Sendung „Wah Wah“ stimmte zwar nostalgisch, am Programmkonzept sollte Davidson, der sich später als DJ bewährte, aber besser noch feilen. Die Resonanzen des Publikums jedenfalls hielten sich merklich in Grenzen. Das bekam auch die nach dem überraschend leblosen Vortrag aufspielende UK-Band JOHNNY THROTTLE zu spüren, die grundsoliden ’77-Punk mit Klassikeranleihen bot. So richtig zusammenfinden wollte an diesem Abend eben nichts. Unterhaltsam war es allemal, mitreißend geht aber definitiv anders.

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