02.08.2025 – Die Goldenen Zitronen – Düsseldorf, Zakk

Früher sangen DIE GOLDENEN ZITRONEN in Anlehnung an ALPHAVILLE „Für immer Punk“. Dass es die Hamburger damit nicht so ganz ernst gemeint haben, war schon lange vor der Jahrtausendwende ersichtlich. Denn ihr Sound wurde experimenteller und verlagerte sich immer weiter Richtung Post- und Wave-Punk. Also irgendwie immer noch unangepasst, nur eben nicht mehr laut. Zumindest meistens. Die Tour zum +40. Jubiläum kündete von dieser Entwicklung. Mit Höhen und Tiefen. 

Eine Vorband gab es beim Gastspiel im Düsseldorfer Zakk nicht. Dabei wäre ein klassischer Anheizer durchaus wünschenswert gewesen. In Sachen Stimmung blieb der Auftritt nämlich weitgehend betulich. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Club eher hälftig gefüllt war, durfte jedoch vorrangig der zwar abwechslungsreichen, stilistisch aber dezent diffusen Set-Reihenfolge angekreidet werden. Unterhaltsam war es trotzdem. Die Anekdoten und Kommentare des Kollektivs sorgten für Lacher und an der musikalischen Darbietung gab es bei gutem Raumklang auch nichts auszusetzen. 

Das „Für immer Punk“ hängt den GOLDENEN ZITRONEN aber nach. Genauso wie der Klassikerstatus ihres Debütalbums, „Porsche, Genscher, Hallo HSV“ (1987). Nach eigenem Bekunden können die Künstler ihrem Frühwerk aber nicht mehr allzu viel abgewinnen. Also wurden „Für immer Punk“ und „Porsche, Genscher, Hallo HSV“ mit Unterstützung von Camille O als eigenwillige Lo-fi-Harfen-Interpretationen dargeboten. Es ist völlig legitim, dass Künstler ihre alten Werke mies finden. Gerade auf der Jubiläumstour wäre es aber eine Ode an die Fans gewesen, die Hits in ihrer ursprünglichen Version herunterzuprügeln; so wie es etwa bei „Daniel“ der Fall war. 

Ironischerweise war die nachgepresste Vinyl-Ausgabe von „Porsche, Genscher, Hallo HSV“ am Merch-Tisch schnell vergriffen. Aber der Fairness halber: Einige später veröffentlichte Platten ebenso. Dass es den Nordlichtern nicht an erinnerungswürdigen Songs mangelt, belegten u. a. „Auf dem Platz der leeren Versprechungen“, „Die chinesische Schubkarre“, „Menschen haben keine Ahnung“, „Wenn ich ein Turnschuh wär“, „Wir verlassen die Erde“, „0:30, gleiches Ambiente“ oder „Alles was ich will (Nur die Regierung stürzen)“. Dabei wurde vereinzelt auch getanzt oder mitgesungen. Zur ganz großen (Jubiläums-)Sause reichte es ungeachtet der Spielzeit von fast zwei Stunden und drei Zugabenblöcken aber dann doch nicht. Vielleicht hätte ein bisschen mehr Punk der Atmosphäre tatsächlich gutgetan. 

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