Zwei Missionare (I/F 1974)

„Zunächst mal bauen wir hier ‘ne Schnapsbrennerei für Feuerwasser. Das ist gesund und macht ‘nen schmalen Fuß.“ – Mit Blick für das Wesentliche: Pater Pedro

Diese zwei schickt der Himmel: In „Zwei Missionare“ sind Bud Spencer und Terence Hill im Auftrag des Herrn unterwegs und halten der katholischen Kirche dabei einen nicht zwingend rühmlichen Spiegel vor. Der damit aufblitzende Hintersinn bildet eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Prügel-Einerlei, wiegt aber nicht vollends die sich nur schwerlich entfaltende Geschichte auf. Zu den besten Auftritten des dynamischen Duos zählt der von Franco Rossi („Die Odyssee“) gedrehte und co-verfasste Schwank daher nicht unbedingt. Ausreichend Spaß bereitet aber auch dies Werk der unverwüstlichen (Kindheits-)Helden des europäischen Kinos.

Das liegt einmal mehr auch an der Synchronfassung von Rainer Brandt, der streckenweise eng am Original bleibt, bisweilen aber wieder zu herrlich absurden Kapriolen ausholt. Der Plot blickt ins ausgehende 19. Jahrhundert und zeigt die Pater Pedro (Spencer) und Blauauge (Hill) bei der Bekehrung von Wilden in Südamerika. Anstatt ihnen jedoch das Christentum mit aller Vehemenz näherzubringen, ermutigen sie die Eingeborenen, ihre heidnischen Rituale zu pflegen und unterstützen sie gar durch den Handel mit Papageien, Gewürzen und Tinkturen. Den Kirchenoberen sind sie damit ein eben solcher Dorn im Auge wie dem Gouverneur Gonzaga (Robert Loggia, „Scarface“). Denn der diktiert die Preise für Handelswaren und schürt die Sklaverei. Durch großzügige Spenden an die Kirche kann er sich deren Wohlwollen allerdings sicher sein.

Als die schlagkräftigen Geistlichen im Hafen von Maracaibo Handel treiben und Bedürftige medizinisch versorgen (natürlich inklusive Spencers Narkose-Dampfhammer), geraten sie mit Gonzagas Schergen (u. a. der bewährte Riccardo Pizzuti, „Vier Fäuste für ein Halleluja“) aneinander. Das führt zu einer ausgedehnten Schlägerei mit allem, was Fan-Herzen höher schlagen lässt. Nur ist „Zwei Missionare“ eben kein typischer Spencer/Hill-Film, so dass die Fäuste diesmal weitgehend ruhen dürfen. Nachdem ihr Boot in Flammen aufgegangen ist, gilt es zunächst Ersatz zu besorgen. Die kriminelle Vergangenheit des meist bewaffneten Blauauge kommt ihnen da durchaus gelegen. Vor der Abfahrt zur jüngsten Missionierungsstelle steht aber noch ein Treffen mit Gonzaga auf dem Programm. Nur wollen die Padres die Gunst nutzen, um zum Tode verurteilten Sklaven die Flucht zu ermöglichen.

Der Plot tritt ohne echte Entwicklung oder Zuspitzung ein wenig auf der Stelle. Das Tempo bleibt verhalten, widmet sich in lose verwobenen Episoden vornehmlich einzelnen Aspekten der wirtschaftlichen und spirituellen Ausbeutung von Land und Leuten. An der Religion an sich wird keine Kritik geübt, lediglich an ihrer Auslegung durch die Kirche. Dass Spencer und Hill dabei wiederholt aus der Bibel zitieren, gab in der Vergangenheit vermehrt Anlass für Kritik. Tatsächlich erscheint der von Dino De Laurentiis („Der Wüstenplanet“) produzierte und den Brüdern Guido sowie Maurizio De Angelis („Zwei wie Pech und Schwefel“) musikalisch untermalte Film nicht zwingend ausgewogen und eher wie der Prolog einer deutlich längeren Geschichte. Dank dosierter Watschen, ungewohnt kritischer Zwischentöne und der gewohnt wonnigen Performances der Hauptdarsteller rangiert der Film aber immer noch deutlich über Durchschnitt.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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