Worst Kid Ever – You Were Right About Me (2018, DIY)

Früher war alles besser. Der Volksmund und Ewiggestrige wollen es so. Aus ihnen spricht die Verklärung, dies nostalgisch getränkte „Hach ja“, das, mit schwelgerischen Blicken einhergehend, Erinnerungen an Momente relativer Glückseligkeit heraufbeschwört. Auch Musik ist fraglos imstande, derartige Emotionen zu wecken. Die Frage ist nur, mit welchem Kalkül dies geschieht. Der Melo-Core zeigt gegenwärtig, dass das bewusst hommagierende Klammern an Sound und Geist einer bestimmten Ära genug Charme entwickeln kann, um nicht als bloße Retro-Retourkutsche zu verpuffen. Eine Stilrichtung, in der das bislang eher selten glückte, ist der Emo. Aber es gibt ja WORST KID EVER!

Das Duo aus Hannover offenbarte bereits bei RUN, MELOS! unbestreitbare Qualität. Weil den Pop-Punkern aber aktuell die Rekrutierung neuer Mitstreiter zu schaffen macht, sorgen Werner Beutnagel und Andreas Hofmann eben in reduzierter Besetzung für kreative Überbrückung. Ihre  Debüt-EP „You Were Right About Me“ darf als Testballon verstanden werden, eine musikalische Versuchsanordnung unter Laborbedingungen. Denn während Hofmann, Ex-Drummer von RUN, MELOS!, für die stimmliche Ausgestaltung zuständig ist, besorgt Kollege Beutnagel den gesamten Rest: Gitarre und Bass wurden eingespielt, Drums und Orgel programmiert. Wer es nicht weiß, dürfte es angesichts des beachtlichen Soundvolumens kaum erahnen.

Der Pop-Punk spielt auch bei WORST KID EVER eine gewichtige Rolle. Nur eben nicht allein. Denn da ist noch der Indie-Rock samt schmissiger Orgel, der den vorangestellt erwähnten Einfluss des Emos geltend macht. In der Summe weckt das Erinnerungen an MOTION CITY SOUNDTRACK und/oder THE ATARIS. Das Tempo der fünf Songs – einschließlich der Instrumental-Interlude „Ghost Things“ – stimmt, die Melodien sitzen und der klare Gesang sorgt für die erforderliche Nahbarkeit. Hitpotential eröffnen vor allem der Opener „Myrtle Wagner On the Front Porch“ und „The Good Outnumber You, and We Always Will“, die zu einer munteren DIY-Zeitreise ans Ende des letzten Jahrtausends (und darüber hinaus) einladen. Damals war zwar nicht alles besser, der Emo zeigte sich aber immerhin noch ein gutes Stück von Banalisierung und Weinerlichkeit entfernt. Angesichts dieser gelungenen Rückbesinnung kann man paradoxerweise durchaus ein Tränchen vergießen – der Freude wohlgemerkt.

Wertung: (7,5 / 10)

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