Wolverine – Weg des Kriegers (USA/GB 2013)

wolverine-der-weg-des-kriegers„A lot of people have tried to kill me, and I’m still here.“ – Unverwüstlich: Wolverine

In seinem ersten eigenen Film wurde Wolverine dem Status der beliebtesten und zugleich faszinierendsten Figur des „X-Men“-Kosmos nur bedingt gerecht. Die Vorgeschichte des mit selbstheilenden Kräften ausgestatteten Logan, der vom Militär zur Kampfmaschine mit Metallskelett und ausfahrbaren Klauen gemacht wurde, blieb trotz der markanten Präsenz Hugh Jackmans („Chappie“) kaum mehr als ein flaches Actionspektakel. „Weg des Kriegers“, Jackmans fünfter Auftritt als grimmiger Superheld, kehrt die Zerrissenheit seines Charakters deutlicher hervor. Nur schafft das Drehbuch, diesmal geschrieben von Mark Bomback („Planet der Affen: Revolution“) und Scott Frank („Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones“), abermals keine erzählerische Prägnanz.

Das ist umso bedauerlicher, da der Handlungsort Japan aufgrund der kulturellen Anlehnung an klassische Samurai-Geschichten deutlich größeres Potenzial besessen hätte. Darin wird Wolverine quasi zum Ronin, zum herrenlosen Samurai, der Verrat mit Vergeltung beantwortet. Dem zuvor allerdings steht ein Selbstfindungstrip, dessen Wurzeln bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückreichen. Der beachtliche Produktionsaufwand drückt sich bereits im Prolog aus, der Mutant Logan in einem japanischen Gefangenenlager zeigt. Beim Abwurf der Atombombe auf Nagasaki rettet er Offizier Yashida das Leben. Derart stimmungsvoll wird es fortan nur noch selten.

Jahrzehnte später wird Wolverine von der jungen Yukio (Rila Fukushima, „Arrow“) aufgespürt und nach Japan eingeladen. Dort bietet der todkranke Yashida (Haruhiko Yamanouchi, „Push“) an, Logan von seiner Unsterblichkeit zu befreien. Der lehnt ab, wird nach dem Tode Yashidas jedoch zum Beschützer von dessen Tochter Mariko (Tao Okamoto, „Batman v Superman“). Die wird von Yakuza bedroht, die ihrem Bruder Shingen (Hiroyuki Sanada, „47 Ronin“) das alleinige Erbrecht sichern sollen. Damit nicht genug, sieht Logan seine Kräfte allmählich schwinden. Das bringt Längen mit sich, die den Film gerade im Mittelteil fast zum Stillstand bringen. Weniger Dialoglast und eine Beschleunigung der zwangsläufigen Näherung von Logan und Mariko hätten hier sicher nicht geschadet.

Die Krallen fährt der verwundbare Mutant erst wieder aus, als die neue Herzensdame entführt wird und er sich mit Yukio aufmacht, den Hintermännern die Stirn zu bieten. Wo es dem Vorgänger an Tiefe mangelte, ist es diesmal die relative Abstinenz packender Action, die für einen faden Beigeschmack sorgt. Der von beachtlichem Komparsenverschleiß begleitete Körpereinsatz fällt unter Regisseur James Mangold („Todeszug nach Yuma“) betont ruppig (und im Extended Cut trotz Jugendfreigabe überraschend blutig) aus. Die wirklich großen Schauwerte gehen dem Film aber insgesamt ab. Daran rüttelt auch das finale Duell gegen einen Ninja-Clan samt mechanischem Riesen-Samurai nicht. Dafür wird es partiell düster, wenn Logans Suche nach innerem Frieden über Schmerz – inklusive Erinnerungen an die von ihm getötete Jean Grey (Famke Janssen) – und natürlich Kampf führt.

„Wolverine – Weg des Kriegers“ verbindet exotisches Flair mit grimmigem Humor. Das genügt für moderates Klingenkreuzen, bleibt unter dem Strich aber arm an echten Höhepunkten. Als echte Enttäuschung ist Wolverines zweiter Alleingang trotzdem nicht zu verstehen. Doch bleibt er als Teamspieler im Kreis der X-Men immer noch deutlich überzeugender als bei seinen Soloauftritten. Das belegt übrigens auch die Szene im Abspann, die unter Beteiligung von Patrick „Professor Charles Xavier“ Stewart und Ian „Magneto“ McKellen die Überleitung zu „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ bildet.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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