White Sparrows – Sound der Generation (2015, D7)

white-sparrows-sound-der-generationZu meckern gibt es immer etwas. Wenn bald 15 Jahre voller verfasster Rezensionen eines gezeigt haben, dann wohl das. Dabei ist es ja nicht so, als ob man es selbst besser könnte. Da liegt die Krux des Ganzen, über die Werkschöpfung anderer zu urteilen, wenn die einzige Eigenleistung darin besteht, einen Text verfasst zu haben, der beschreibt, warum eine Platte, ein Film oder auch ein Konzert subjektiv gefallen oder eben nicht. Wofür also diese Einleitung? Vielleicht ist sie eine Art Entschuldigung dafür, dass manche kreative Erzeugnisse einfach nicht zünden wollen und unterm Strich womöglich schlechter wegkommen, als sie in Wahrheit sind.

„Sound der Generation“, das Debütalbum der WHITE SPARROWS, ist so ein Fall. Eigentlich sollte es nicht viel zu meckern geben. Deutschsprachiger Punk-Rock, souverän und zwischen den Stühlen der BROILERS oder TOTEN HOSEN auch bemüht hymnisch vorgebracht. Das eröffnende „Es ist nicht so“ oder „So wollte ich nie sein“ dürfen gern als überzeugende Beispiele bemüht werden. Doch die Sache hat bei aller wohligen Routine einen Haken. Denn die Platte wirkt – ähnlich STAATSPUNKROTT – zu oft wie der Weg des geringsten Widerstands. Die Texte mögen anderes suggerieren, im Kern aber mangelt es an Schärfe. Das zeigt bereits der Titel (und erst recht der Titeltrack), der vollmundig mehr verspricht, als es die 10 Songs halten könnten. Oder das musikalisch einwandfreie „Lieber Staat“, das Kinderarmut mit Staatsverschuldung erklärt. Der Punk lebt von der Simplifizierung komplexer Zusammenhänge. Diese Kausalkette aber hinkt mehr als ein dreibeiniger Hund.

So läuft die Platte fort. Das Gros der gut nach vorn gehenden Nummern dringt rasch ins Ohr. Nur die Texte überzeugen selten durchgängig, was bei inhaltsarmen Stücken wie „Lied 15“ oder balladesken Belanglosigkeiten wie „Greif nach den Sternen“ kaum stört. Doch wen es nach Tiefsinn der Marke BUT ALIVE… gelüstet, der muss anderswo fündig werden. Trotzdem muss man den Hessen dankbar sein, schließlich leben sie, was sie lieben und zeigen mit „Braunes Blut“, dass es einfach nicht genug (musikalische) Auflehnung gegen Rechts geben kann. So wirklich zueinander finden wollen Platte und Autor dennoch nicht. Das allerdings soll niemanden davon abhalten, dieser grundsoliden Band und ihrer Musik eine Chance zu geben. Es hat ja schließlich nicht jeder ständig etwas auszusetzen. In diesem Sinne: ‘tschuldigung!

Wertung: (6 / 10)

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