Viper – Ein Ex-Cop räumt auf (USA 1994)

Lorenzo Lamas („Snake Eater“) schlägt Salti. Der B-Heros mit der langen Mähne springt über Gegner und ein auf ihn zurasendes Auto, als hätte er Steve Austins bionische Beine geerbt. Dazu platziert er Stiefel zielsicher in Schurkenvisagen und feuert in John-Woo-Manier beidhändig auf die personell üppig bestückte Gegnerschaft. Der hiesige Untertitel von „Viper“ lautet „Ein Ex-Cop räumt auf“. Er deutet vorweg bereits an, dass sich Lamas‘ familienbewusster Schlagetot Travis Blackstone – und mit ihm der geneigte Zuschauer – nicht vor akuter Beschäftigungslosigkeit fürchten muss. Der Vorspann lässt allerdings andere Schlüsse zu, belegt er doch einmal mehr die Ideenlosigkeit von weißer Schrift auf schwarzem Grund. Nur die Musik drängt auf Bewegung. Der Plot lässt sich davon in der Folge glücklicherweise gern anstecken.

Im Mittelpunkt stehen die Querelen von Travis‘ jüngerem Bruder Franklin (Hank Cheyne, „Saints & Sinners“). Der sollte für ein Kartell Geld waschen, hat aber einen stolzen Betrag in die eigene Tasche geleitet und an einen windigen Spekulanten verloren. Der bauchige Asiate Buddha (Joe Son, „Shootfighter II“) macht sich mit mannstarkem Gefolge auf, den Raub zu sühnen und schreckt nicht einmal davor zurück, Franklins Komplizen samt Frau und Kind im Stadtpark hinzurichten. Um Franklin zu schützen, nimmt dessen Geliebte Rhonda (Frankie Thorn, die Nonne aus „Bad Lieutenant“) Kontakt zu Travis auf. Der ist auf den Bruder nicht gut zu sprechen, verlor er wegen ihm doch einst den Job und wanderte ins Gefängnis. Blut ist aber auch diesmal dicker als Wasser und so schaltet sich Travis widerwillig in den Konflikt ein.

Neben Franklin gilt es auch den herzkranken Vater zu schützen, in dessen Rolle der 2007 verstorbene (und im Abspann falsch geschriebene) John P. Ryan („Delta Force 2“) neuerlich veranschaulicht, dass von ihm ungeachtet der Qualität eines jeden Filmwerks immer Vollblutschauspiel zu erwarten war. Mit dieser Konstellation geht zunächst seifiger Familienzwist einher. Aber Regisseur Tibor Takács, der sich später hauptsächlich auf Tier-Horror („Spiders 3D“) verlegte, setzt bei den wohl platzierten Actioneinlagen (zumindest im ungekürzten Original) auf übertriebene Gewalt und stilisiertes Sterben in Zeitlupe. Dabei streift er mal den Pulp-Thriller und mal, ähnlich artverwandter B-Gewitter wie „Hard Attack“ oder „Barrett – Das Gesetz der Rache“, den Duktus des Hongkong-Kinos. Das Bleiballett im Hotel wird gar so üppig gestreckt, dass es anderen Streifen glatt als Showdown genügen würde.

Natürlich ist „Viper“ kein herausragendes Filmwerk. Aus der Masse in den 90ern heruntergekurbelter Krawallproduktionen ragt er trotzdem heraus. Lorenzo Lamas macht eine gute Figur und der Plot zeigt zumindest Bemühung, den üblichen Standard zu überbieten. Dass Travis‘ eifersüchtige Gespielin Lindee (Kimberley Kates, „Chained Heat II“) mit Buddha paktiert, weil sie glaubt, ihn auf diese Weise retten zu können, dient allerdings einzig dazu, die verschiedenen Parteien wiederholt aufeinanderprallen zu lassen. Das sorgt für munteres Scheibenschießen, bei dem die Kartellschergen kein Scheunentor treffen, sich aber beständig so postieren, dass Travis sie blutig wegputzen kann. Das erweist sich auch beim Showdown in einer Fabrikhalle als dienlich, bei dem Horden von Gegnern zum kollektiven Grasbiss anrücken und die Ein-Mann-Armee zum übertriebenen Dauerfeuer anspornen. Der damit verbundene Action-Overkill ist herrlich absurd und zitiert beim finalen Duell zwischen Travis und Buddha sogar noch „Die City Cobra“. Für Freunde von deftigem Plagiats-Feuerzauber eine klare Empfehlung!

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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