Vertical Limit (USA/D 2000)

„Up there, you’re not dying, you’re dead.“ – Montgomery Wick

Bei US-Blockbustern sollte man immer darauf gefasst sein, dass einen Hollywood für dumm verkaufen will. Zum Ende des letzten Jahrtausends zeigte sich die Traumfabrik wiederholt von ihrer einfältigsten Seite. Seinen Anteil daran hatte das kurzzeitig aufflammende Katastrophenfilm-Revival, das solch absurd dämliche Werke wie „Daylight“ (1996) „Dante‘s Peak“ oder „Volcano“ (beide 1997) hervorbrachte. Ihren Zweck als Unterhaltungsvehikel erfüllen sie fraglos. Gerade deshalb drängt sich aber unweigerlich die Frage auf, warum die Drehbücher so kalkuliert auf Klischees und Übertreibung setzen. Die Krone des Big-Budget-Schwachsinns jener Zeit verdient sich dabei die 2000 vorgestellte Bergsteiger-Banalität „Vertical Limit“.

Bedenkt man, dass „GoldenEye“-Regisseur Martin Campbell rund 75 Millionen Dollar Budget verpulvern durfte, scheint nur umso verwunderlicher, warum der Streifen so wenig Verstand beweist. Dass Campbell und die Autoren Robert King („Die Piratenbraut“) und Terry Hayes („Mad Max 2“) fortwährend so dick auftragen, dass man sich in einer Parodie wähnt, sorgt für ein gewisses Amüsement. Aber spätestens, wenn Chris O’Donnells („Batman & Robin“) aufopferungsbereiter Peter Garrett in der zerklüfteten 8.000er-Unwirtlichkeit des K2 zu einem beherzten Sprung ausholt, der jeden Olympia-Weitspringer vor Neid erblassen ließe, stürzt das Niveau ins Bodenlose. Natürlich muss man sich nicht an solch fahrlässigen Flachheiten reiben. Die Frequentierung, mit der hier auf groben Unfug gepocht wird, stellt aber selbst den erwähnten „Dante’s Peak“ in den Schatten.

Das beginnt bereits beim dramaturgisch heftig aufgesetzten Beginn, der den Vater („Flucht aus Absolom“-Fiesling Stuart Wilson) von Peter und Schwester Annie (Robin Tunney, „End of Days“) bei einer Klettertour zu Tode kommen lässt. Wenige Jahre später haben sich die Geschwister entfremdet. Gelegenheit für neue Herzlichkeit wird eröffnet, als Annie den forschen Milliardär Elliot Vaughn (Bill Paxton, „Twister“) bei der werbewirksamen Besteigung des K2 begleitet. Als dessen Gruppe von einem Unwetter überrascht wird und in Lebensgefahr gerät, wagt Peter mit Monique (Izabella Scorupco, „Die Herrschaft des Feuers“), dem störrischen Bergsteigerveteranen Montgomery Wick (Scott Glenn, „Absolute Power“) und anderen mutigen Helfern (darunter Ben Mendelsohn, „Killing Them Softly“) den lebensgefährlichen Aufstieg.

Die Soap-Dramaturgie lässt dabei kaum einen Fettnapf aus. Wo immer es möglich erscheint, werden Risiko und Gefahrpotential des Unterfangens größtmöglich hervorgehoben. Dass Peter und Gefolge Nitroglycerin im Gepäck haben, um Annie nebst Schicksalsgenossen aus einer von Schneemassen bedeckten Felsspalte zu befreien, bildet nicht einmal den Gipfel des Klischee-Nonsens. Denn natürlich muss Wick noch ein Hühnchen mit dem nur am Selbsterhalt interessierten Vaughn zu rupfen haben, das mit seiner am Berg verschollenen Frau verbunden ist. Ob es wohl zu einem späten Widersehen mit der Gefrierbrand-Gattin kommt? Bei Filmen wie „Vertical Limit“ gibt es nichts, was es nicht gibt. Das macht sie einerseits unterhaltsam, stempelt sie andererseits aber als kolossalen Quatsch mit Soße ab. Die bis in die Nebenrollen erlesene Besetzung, zu der auch Temuera Morrison („Die letzte Kriegerin“) und Robert Taylor („Storm Warning“) zählen, hat dem denkbar wenig entgegenzusetzen. Ein typisches, maßlos übertriebenes Hollywood-Vehikel zwischen Kurzweil und Kopfschütteln.

Wertung: 4.0 Stars (4,0 / 10)

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