Unternehmen Capricorn (USA 1978)

unternehmencapricornIn Würde altern. Dies Wunschdenken trifft auf Menschen, gleichwohl auf Filme zu. Freilich ist das nicht jedem vergönnt. Es kommt auf die Umstände an. Peter Hyams „Unternehmen Capricorn“ hat ohne Zweifel Staub angesetzt. Zum Klassiker hat es nie gereicht und doch bleibt er eine unbekannte Größe, die noch heute Wirkung zeigt. Das mag an der Verknüpfung von Science-Fiction und Polit-Thriller liegen, die zwar nicht immer logisch erscheint, dafür aber auf hergebrachte Hollywood-Machart mitreißt. Zu verdanken ist das auch den spielfreudigen Darstellern, die bis in kleine Nebenrollen prominent besetzt sind.

Hyams, der in Personalunion von Autor und Regisseur („Outland“, „Time Cop“) gern in die Zukunft schaut, ist ein Geschichtenerzähler von altem Schrot und Korn. Er steht für direktes Kino und bringt seine Werke meist ohne Umschweife auf Kurs. Die medial aufgeblasene Marsmission ist da keine Ausnahme. Drei amerikanische Astronauten, Brubaker (James Brolin, „Westworld“), Willis (Sam Waterston, „Heaven´s Gate“) und Walker (Ex-Footballstar und -Mordverdächtiger: O.J. Simpson, „Die nackte Kanone“) sollen als erste Menschen den Mars betreten. Das macht sie bereits im Vorfeld zu Helden. Doch sie werden manipuliert.

Leiter des Unterfangens ist Dr. Kelloway (Hal Holbrook, „Calahan“). Der lässt das Trio vor dem Start fortschaffen. Wie sich zeigt, hätte ein fehlerhaftes Lebenserhaltungssystem den Tod der Männer bedeutet. Das Eingeständnis des Scheiterns aber würde das Aus für Kelloways Bemühungen um die Eroberung des Weltraums bedeuten. Während die unbemannte Rakete also planmäßig ihr Ziel ansteuert, wird die Besatzung auf einer verlassenen Militärbasis zur Aufzeichnung simulierter Bilder gezwungen. Als ihr Gefährt aber beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht, geraten die Mitwisser des Betrugs in Lebensgefahr.

Die Aufklärung obliegt dem heruntergekommenen Journalisten Caulfield (Elliott Gould, „M*A*S*H“), der durch das Verschwinden eines Verdacht schöpfenden Freundes bei der NASA eine heiße Story wittert. Schnell werden die Hintermänner des Medienschwindels seiner Gewahr und setzen alles daran, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Die Science-Fiction-Anleihen sind nur der Vorlauf eines dramatischen Thrillers, der, nachdem der Tod der Astronauten auch in der Realität vollzogen werden soll, alle Register der Spannungserzeugung zieht. Zwar schwindet dabei die Originalität, mitreißend gestaltet sich die Menschenjagd aber allemal.

In der kollektiven Lähmung entkommen die nationalen Helden ihrem Gewahrsam und werden von Helikoptern durch unwirtliches Wüstenpanorama gehetzt. Caulfield lässt sich von zunehmenden Einschüchterungs- und Mordversuchen nicht entmutigen und steigt zum spektakulären Finale in das Sprühflugzeug des herrlich grantigen Telly Savallas („Kojak“). Allein dessen Auftritt rechtfertigt das Ansehen, wenn er den starken Leistungen von Brolin und Gould auch nur als zusätzlicher Reizpunkt gegenüber steht. Der Film hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Ein Grund mehr, ihn jetzt wiederzuentdecken.

Wertung: (8 / 10)

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