Übergang – Zeichen der Zeit (2017, Demons Run Amok/Soulfood)

Es gibt Stimmen, die deutschen Bands und Künstlern, egal ob im Mainstream oder Independent, mangelnden Mut unterstellen. Zu viele vorgefertigte Schemata, zu wenig Bestreben, bestehende Genre-Grenzen zu überwinden. ÜBERGANG sind der Beweis, dass es anders geht. Einhellige Zustimmung dürften sie dafür nicht ernten. Denn die Göttinger um Frontmann Cliff Nasty, der unter dem Namen Sebi auch bei STOMPER 98 am Mikro steht, wählen einen eher unbequemen Weg, um ihren aufgewühlten Emotionen über die Musik Ausdruck zu verleihen: Thrash-Metal, gepaart mit der Wucht des Hardcores und der Rotzigkeit des (Deutsch-)Punks. Schön geht anders. Beeindruckend effektiv ist es trotzdem.

Die auf „Zeichen der Zeit“, dem Albumerstling der 2014 gegründeten Combo präsentierte Mischung ist nicht zwingend neu und will doch erst einmal verdaut werden. Der rein deutsche Gesang wirkt trotzig und weitgehend unmelodisch herausgeschrien. Dazu wüten die Instrumente, die mal geradlinig zwischen den Einflusskategorien wandeln und mal zum großen Häckseln ansetzen. Gefangene werden keine gemacht, selbst wenn hymnische Refrains, allen voran beim starken „Kämpferherz“, sporadisch für eingängige Ankerpunkte sorgen. Fraglos fordert „Zeichen der Zeit“ erhöhte Aufmerksamkeit ein – und ein offenes Ohr für klangliche Extreme mit eigenwillig experimenteller Ader. Doch selbst wenn sich die Geister an ÜBERGANG zwangsläufig scheiden werden, fehlende Courage kann dem konsequent vorpreschenden Quintett keinesfalls attestiert werden.

Wertung: 7.5 Stars (7,5 / 10)

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