Tropix (CR 2002)

tropixQuentin Tarantino ist nicht der Urvater des grotesken Thrillers, seit seinem Geniestreich „Pulp Fiction“ wohl aber dessen Pate. Entsprechend müssen sich etwaige Artverwandte an diesem kreativ-kommerziellen Erfolg messen lassen. „Tropix“, das Spielfilmdebüt der amerikanischen Auswanderer Percy Angress und Livia Linden („La Calera“), setzt neben der obligat ironischen Brechung auf seinen Exotenbonus. Der Streifen wurde in Costa Rica produziert, vor Urlaubskulisse und Postkartenpanorama. Nur inhaltlich bleibt alles beim Alten.

Ganove Guy (Thomas Scott, „Garage Days“) hat seinen Geschäftspartnern 6,2 Millionen Dollar entwendet und plant diese während eines Trips nach Costa Rica in einem dubiosen Grundstückskauf zu waschen. Seine Frau Corrine (Danielle Bisutti, „Seeing Iris“) ahnt nichts von den krummen Geschäften ihres Gatten. Umso größer ist die Verwunderung, als das Gangster-Trio Solange (Michelle Jones, „Caribe“), Joaquim (Keith Brunsmann, „Sticks“) und Nicky (Ryan Barton-Grimley, „The Price of Love“) sie entführt, um an das geraubte Geld zu gelangen. Der Ärger spitzt sich zu, als Nicky seine Gefühle für Corrine entdeckt.

Ein paar nette Ideen und skurrile Einfälle reichen aus, um „Tropix“ zu einem unterhaltsam überzogenen Kriminalspiel zu machen. Die in aufgestylter Künstlichkeit badenden Hotelsettings tragen ebenso zum positiven Grundanstrich bei wie der Running-Gag auf Schönheitsoperationen fixierter Urlauber. Daneben lebt der Film von seiner dynamischen, teils hektischen Erzählung, die bei zunehmendem Verlauf aber merklich an Fahrt verliert. Die Figuren geben sich geschwätzig, mitunter aufgesetzt cool, der kaum Pause machende Soundtrack erinnert an einschlägige Strandbars auf Kundenjagd.

Im Rahmen seiner Möglichkeiten bietet der Film gediegenes Independent-Vergnügen vor karibischer Kulisse. Die Darsteller animieren in ihrem zänkischen Gebaren zu wiederholten Schmunzlern, der ausgiebige Gebrauch des Wortes ´fuck´ im englischen Original sorgt für zusätzlich ersprießliche Verbaleskapaden. Die vereinzelt gestreute Gewalt steht im Hintergrund und ist entsprechend ohne Härte oder Explikation umgesetzt. Überraschungen hält das Drehbuch von Co-Regisseurin Livia Linden bei überschaubaren Wendungen nicht bereit. Wohl aber einen Gastauftritt des deutschen Mimen Ronald Nitschke („Stauffenberg“).

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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