Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals (USA/F 2014)

„This could get dirty. So just how deep do you want this to go?“ – Kane

„How deep is hell?“ – Paul

Nicolas Cage im „Taken“-Modus. Das allein sollte genügen. Im Guten wie im Schlechten. Bezogen ist dieser Vergleich auf „Tokarev“ (Originaltitel: „Rage“). In dem gibt der tief ins Heimkino-Metier gestürzte Oscar-Preisträger den gestrengen, auf die größtmögliche Behütung der Tochter geeichten Vater. Diese nach typischer Hollywood-Bauart figurierte Über-Fürsorge mündet – ein Blick aufs Cover mag es vorwegnehmen – in blanke Gewalt. An der Stelle endet die Vergleichsmöglichkeit zum stumpfen Liam-Neeson-Kracher. Zumindest weitgehend. Denn das Filmkind des nach eigenen Regeln für Recht sorgenden Mannes wird in Paco Cabezas („Into the Badlands“) Streifen nicht allein entführt, sondern auch ermordet.

Im Kopf des getöteten Teenagers wird eine Kugel gefunden, die aus einer russischen Tokarev-Pistole abgefeuert wurde. Daher der deutsche Titel. Für Cages von Trauer und Wut zerfressenen Paul Maguire Grund genug, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Schließlich verkehrte der erfolgreiche Geschäftsmann früher in kriminellen Kreisen. Der Verdacht, ehemalige Verbrecherkontakte könnten eine offene Rechnung begleichen wollen, wird durch die Zeugenaussage zweier Schulfreunde der Tochter gestützt. Also begibt sich Paul mit den Gefährten Kane (spielte neben Cage auch in „U.S.S. Indianapolis“: Max Ryan) und Danny (Michael McGrady, „Ray Donovan“) auf die Suche nach den Verantwortlichen – und türmt dabei Leichen auf.

Nicolas Cage, mittlerweile sichtlich in die Jahre gekommen, ist immer noch ein patenter Charakterdarsteller. Wenn er denn will. Für das Gnadenbrot, das er sich vorrangig in mäßigen Genre-Produktionen verdient, genügt aber bestenfalls eine überschaubare Anzahl an Gesichtsausdrücken. So auch hier. Ein paar Szenen lassen ihn glaubhaft herausarbeiten, wie es um Pauls Gefühlswelt bestellt ist. Im Vordergrund steht jedoch sein Rachefeldzug. Auf dem sperrt er Gattin Vanessa (Rachel Nichols, „Continuum“) aus und ignoriert die Warnungen von Detective St. John (beschäftigungslos: Danny Glover, „2012“) und seinem alten Weggefährten Francis (Peter Stormare, „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“). Damit bringt er eine Spirale in Gang, die alle Beteiligten ins Verderben reißt.

Eine schlüssige Balance zwischen partiell actionbetontem Selbstjustiz-Thriller und bitterem Drama findet Regisseur Cabezas nie. Die Einleitung erscheint flach, der Weg zur Vendetta geschwätzig. Dass Paul als Sklave seiner Rachegelüste nicht imstande scheint, von der eigens geschaffenen Wahrheit abzurücken, befeuert im Schlussdrittel eine immerhin konsequent ausgebreitete Tragik. Sie sorgt nachhaltig dafür, dass „Tokarev“ mehr bietet als eine stumpf klischeehafte Rachegeschichte. Der sporadische Einsatz von Stich- und Feuerwaffen ist mit einigen Härten gespickt, lässt trotz der Beteiligung von „Pulp Fiction“-Kameramann Andrzej Sekula aber inszenatorisches Geschick vermissen. So bleibt es bei einem mittlerweile typischen Cage-Vehikel – nicht alles ist schlecht, die Qualität früherer Auftritte wird aber bestenfalls rudimentär erreicht.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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