Todesmarsch der Bestien (E 1972)

todesmarsch-der-bestienWenn Filme ihre Popularität allein derber Gewaltdarstellung verdanken, ist abseits des Blutvergießens meist Substanzverlust zu verzeichnen. „Todesmarsch der Bestien“, ein rein Spanischer Zuschuss zum Spaghetti-Western, wäre wohl längst in Vergessenheit geraten, hätte ihn die Bundesprüfstelle nicht längst aus dem Verkehr gezogen. Das schafft Neugier. Der süße Saft der verbotenen Frucht erweist sich aber auch in diesem Fall als bitterer Sud, schließlich hangelt sich der dürftige Plot an vereinzelt grober Garstigkeit allumfassender Tragik entgegen.

Sergeant Brown (Robert Hundar, eigentlich Claudio Undari, „Der Colt aus Gringos Hand“) hat eine Gruppe Kettensträflinge und seine Tochter (Emma Cohen, „Zwiebel-Jack räumt auf“) 400 Meilen durch unwirtliches Gelände zu eskortieren. Was die Gefangenen und die dem Planwagen auflauernden Banditen nicht wissen ist, dass die Ketten aus purem Gold sind. Trotzdem töten die Wegelagerer die begleitenden Soldaten und treiben den führerlosen Wagen einen Abhang hinab. Brown wagt die Fortsetzung des Weges zu Fuß und zwingt die aneinandergeketteten Verbrecher zu einem Gewaltmarsch über Stock und Stein.

Regisseur Joaquín Luis Romero Marchent („Die letzte Kugel traf den Besten“) nutzt jede sich ihm bietende Gelegenheit zur Veranschaulichung grober Verhaltensweisen. Die Sträflinge sind Schwerverbrecher. Richtige Schwerverbrecher. Auf der Tagesordnung stehen Vergewaltigung und Mord. Weil sich beim schicksalhaften Sturz des Wagens einer der Sträflinge ein Bein bricht, müssen die anderen ihn tragen. Den Morgen darauf ist er tot. Keiner der Leidensgenossen will es gewesen sein. Also wird die Leiche weitergetragen. In der Folge landet sie im Lagerfeuer. In Großaufnahme zehren Flammen am fleischlosen Schädel. Es soll nicht die letzte Einstellung dieser Art bleiben.

Selbst Brown muss zugeben, dass der Tote so nicht weiter transportiert werden kann. Also wird der schwelende Fuß an der Kette mit einer Machete abgeschlagen. Die Kamera hält drauf, weil der Exploitation genüge getan werden muss. Daneben aber erzählt Marchent keine Geschichte. Zumindest keine, die nicht auf den schnellen Blick auf menschliches Elend fokussiert wäre. Der Nihilimsus nagt am „Todesmarsch der Bestien“, was ihm einerseits eine gewisse Atmosphäre der Verzweiflung auferlegt, ihn andererseits aber auch zum plakativen Gewaltfilm stempelt.

Natürlich übernehmen die Verbrecher, nachdem sie den Reichtum zu ihren Füßen entdeckt haben, die Oberhand. Sie töten Brown, vergewaltigen seine Tochter und gehen sich auf dem Weg in die Freiheit gegenseitig an die Gurgel. Der Film ist ein Western mit Fleischbeilage. Und weil keiner der Beteiligten überleben darf, gehen eben alle vor die Hunde. Das Konzept ist so simpel wie überflüssig brutal. Inszenatorisch ist da nicht viel zu holen. Verträumte Rückblicke in Zeitlupe sollen Unbeschwertheit suggerieren. Der Kontrast zur Gewalt verpufft, weil die Figuren in ihrer Verrohung keine menschlichen Züge mehr tragen. So funktioniert dies stumpfe Machwerk nur über die Explikation – und bleibt gefangen im Korsett des eigenen Minimalismus.

Wertung: (4 / 10)

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