The Wrestler (USA/F 2008)

the-wrestlerIn der Vergangenheit waren Darren Aronofskys („Pi“, „The Fountain“) Filme ungeachtet ihrer Thematik stark von visuellen Impressionen determiniert. Mit dem semi-dokumentarischen Drama „The Wrestler“ öffnet sich der Regisseur einer reservierten und zugleich unmittelbaren Erzählstruktur. Als Gebot bleibt diese Direktheit der detaillierten Charakterstudie eines gescheiterten Mannes geschuldet. So dicht wie möglich kreist die Handkamera um die Figur des Ringers Randy „The Ram“ Robinson. In dessen Rolle läuft Mickey Rourke („Barfly“) zu unverhoffter Höchstform auf.

Das einstige Sexsymbol zog es als Profiboxer erst erfolglos in den Ring und dann, als die Visage verbeult war, unter die Messer plastischer Chirurgen. Die Kinokarriere versandete, die medizinischen Eingriffe führten zu Entstellungen. Die Parallelen zwischen Rourke und Randy, den beiden gescheiterten Showkämpfern, sind offenbar. Dem zu Recht Oscar-nominierten Schauspieler scheint der Part des abgehalfterten Sportlers, der mit blond gefärbter Mähne und Proletenteint in Provinz-Sporthallen auftritt, wie auf den Leib geschrieben. Er dankt es mit einer intensiven, den eigenen Werdegang in schierer Selbstgeißelung reflektierenden Darbietung.

Wie ein Zirkuspferd schleppt sich der ausgebrannte Hüne von Ringkampf zu Ringkampf. Die Muskelmasse wird neben dem Training mit Präparaten aufgespritzt. Die Schaulust des Restpublikums verlangt nach Spektakeln, für die sich der Trash-Gladiator mit einem Stück Rasierklinge die Stirn ritzt. Blut macht das Aufeinanderprallen der wuchtigen Körper authentisch. Die Zuschauer lieben diese Archaik. Dass der Wrestling-Zirkus reiner Inszenierung unterworfen ist, stört nicht weiter. Hier ist er noch ein ganzer Kerl, künden Narben von karrieristischen Höhepunkten.

Der Mensch abseits der Manege ist ein Wrack. Randy haust in einem tristen Trailerpark, kann kaum die Miete aufbringen. Die Gelenke sind verschlissen, nach einem besonders brutalen Kampf versagt ihm auch das Herz den Dienst. Stützen hat er keine, zwischenmenschlich sind alle Brücken zerstört. Die Näherung zur Tochter (Rachel Evan Wood, „King of California“) misslingt, die alleinerziehende Stripperin Cassidy (stark: Marias Tomei, „Factotum“) hadert mit der eigenen Verbitterung. Aronofsky durchleuchtet den gebeugten Freak, der beim Zweitjob hinter der Fleischtheke mit Haarnetz und Schürze wirkt wie eine groteske Frankensteinkreatur, mit Sorgfalt. Es ist sein bislang stärkster Film. Vor allem der bewundernswerten Selbstdemontage Rourkes wegen.

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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