The Walking Dead (Season 7.1) (USA 2016)

„Lucille is thirsty. She’s a Vampire bat.“ – Gnadenlos komisch: Negan

Die Kritik an „The Walking Dead“ wird lauter. Dazu beigetragen hat zweifelsfrei das brutale Cliffhanger-Finale von Staffel sechs. In dem wurde der neue Mega-Fiesling Negan (Jeffrey Dean Morgan, „Watchmen“) eingeführt. Er war gekommen, um ein Exempel zu statuieren und Rick (Andrew Lincoln) und seine Getreuen spüren zu lassen, dass für sie ein neues Zeitalter angebrochen ist. Dazu hagelte es Schläge mit Lucille, Negans mit Stacheldraht umwickelten Baseballschläger. Offen blieb nur, wessen Kopf von den Hieben zerschmettert wurde. Das Warten auf die Antwort und das kalkulierte Schüren von Spekulationen hat Sympathien gekostet. Sicher, die Aufmerksamkeit des Publikums war den Machern um Hollywood-Veteranin Gale Anne Hurd (produzierte u.a. „Flucht aus Absolom“) und Comic-Schöpfer Robert Kirkman gewiss. Aber das Zombie-Drama war auf eine Ebene plumper Effekthascherei degradiert worden.

Das beste Beispiel dafür bildet der mit Spannung erwartete Auftakt von Staffel sieben. Denn wer geglaubt hat, die große Frage, wer denn nun unter den Schlägen Negans zu Tode gekommen ist, würde schnell beantwortet, irrt. Der Beginn lässt sich Zeit und gleiches gilt für den frisch eingeführten Endzeit-Warlord. Der will Rick brechen, mit allen Mitteln. Inszenatorisch, besorgt von Make-Up-Spezi Gregory Nictoero („Predators“), rangiert das nahe am Folterporno. Für die Neuordnung der Story scheint das Notwendig. Bestehen bleibt jedoch allein der Selbstzweck. Die schlussendliche Offenlegung, wessen Kopf da nun zu Klump geprügelt wird, büßt dadurch merklich an Wirkung ein: Rick, Sohn Carl (Chandler Riggs), die Geliebte Michonne (Danai Gurira), die schwangere Maggie (Lauren Cohan), ihr Partner Glenn (Steven Yeun), Daryl (Norman Reedus), Sasha (Sonequa Martin-Green), Abraham (Michael Cudlitz), Eugene (Josh McDermitt), Rosita (Christian Serratos) und Aaron (Ross Marquand) sind der Übermacht – und damit der Gewalt – Negans hilflos ausgesetzt.

Dass es nicht bei einem Opfer bleibt, dürfte, gemessen am Leidtragenden, zumindest Fans der Comic-Vorlage milde stimmen. Die Gruppe um Rick hingegen droht an den Folgen zu zerbrechen. Doch bevor es soweit ist, muss der resolute Anführer zum Vasallen herabgestuft und seiner Selbstachtung beraubt werden. Doch dieser Zustand ist nicht von langer Dauer. Nach dem ultrabrutalen Auftakt halten sich die Macher spürbar zurück. Bloß keine neue Kontroverse schüren. Das Problem: Der Plot hinkt. Längen schleichen sich ein, obwohl für die versprengten Charaktere kaum mehr als je eine Episode bleibt, um in den Vordergrund zu treten. Im Falle von Morgan (Lennie James) und der verwundeten Carol (Melissa McBride) bedeutet das die Bekanntschaft mit König Ezekiel (Khary Payton) und seinem (offenkundig computeranimierten) Schoß-Tiger Shiva.

Die Einführung des selbsternannten Regenten, der samt Gefolgschaft selbst unter Negans Knute leidet, ist atmosphärisch leider völlig misslungen. Ezekiel entwickelt kaum Präsenz, bleibt ein geschwollen daherredender Kasper. Da kann selbst Carol kaum ein Lachen unterdrücken. In Hilltop, der neben Alexandria und Ezekiels Königreich dritten Ansiedlung, finden derweil Maggie und Sasha Unterschlupf. Maggie gewinnt rasch an Einfluss, was dem konfliktscheuen Anführer Gregory (Xander Berkeley) gar nicht behagt. Als gelungener erweisen sich die Einblicke in Negans Welt, die wie eine ganz normale Zweckgemeinschaft unter widrigen Umständen wirkt. Zumindest fast. Die Perspektive wird dabei zunächst von Dwight (Austin Amelio) eingenommen, einem augenscheinlich loyalen Gefolgsmann des Despoten. Was er erleiden musste, um dorthin zu gelangen, verdeutlichen nicht nur seine Brandnarben, sondern auch ein Blick in Negans Harem. Dwight soll den aufmüpfigen Daryl mit Isolationshaft und Popmusik-Dauerbeschallung brechen. Doch der sträubt sich.

Zum Problem der Halbstaffel wird bald auch Negan selbst, der in seiner Unberechenbarkeit bisweilen derart überzogen wirkt, dass er mehr Karikatur als Nemesis ist. Das zeigt sich besonders, als sich Carl ins Camp schleicht, um Negan zu töten – und der sich kurzerhand zum Fremdenführer herablässt. Im Zentrum der Entwicklung steht die neue Weltordnung, die unter anderem zur Plünderung – und Entwaffnung – von Alexandria führt. Die verlotterten Zombie-Horden spielen bei all dem eine bestenfalls untergeordnete Rolle. Der Konflikt Mensch gegen Mensch, seit Romeros wegweisenden Werken DAS Leitmotiv des Sub-Genres, gewinnt größere Bedeutung denn je. Allerdings werden dabei vorrangig Weichen gestellt. In diesem Prozess bleiben einige Figuren, darunter Michonne und Hilltop-Draufgänger Jesus (Tom Payne), sträflich unterbeschäftigt

Trotz aller Kritik gibt es natürlich immer noch großartige Szenen: In einer der intensivsten darf Rick der zweifelnden Michonne seine Beweggründe offenbaren – und dabei endgültig klarstellen, dass die Kleine Judith nicht seine leibliche Tochter ist. Ohne echte Relevanz bleibt hingegen sein schwelender Konflikt mit Spencer (Austin Nichols, „One Tree Hill“), der seine Chance zur Machtübernahme gekommen sieht. Losgelöst von all dem entdeckt Tara (Alanna Masterson) auf Erkundungstour mit dem beiläufig aus der Serie geschriebenen Heath (Corey Hawkins) eine schwer bewaffnete, in ihrer künftigen Bedeutung unzweifelhafte Frauenkommune an der Küste. Als Essenz der durchwachsenen Halbstaffel sind Rick und Getreue gezwungen, ihre Freiheit zu opfern und sich zu unterwerfen, um am Leben zu bleiben. Das ist partiell immer noch packend, nur wirkt „The Walking Dead“ zunehmend gedehnt. Für die Fortsetzung braucht es zwingend mehr dramaturgische Geschlossenheit. Andernfalls könnten selbst hartgesottene Fans ähnlich grausam reagieren wie Keulenschwinger Negan.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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