The Tudors (Season 3) (GB/USA/CAN/IRL 2009)

Eine neue Staffel, eine neue Königin. Nachdem Englands impulsiver Regent Henry VIII. (Jonathan Rhys Meyers, „Dracula“) an Anne Boleyn die Lust verlor und diese hinrichten ließ, folgt mit Jane Seymour (Annabelle Wallis, „Peaky Blinders“) 1536 eine eher angepasste Frau an seiner Seite. Zwar ergreift sie Partei für Henrys älteste Tochter Mary (Sarah Bolger, „Into the Badlands“) und scheint auch sonst gewillt, sich in politische Belange einzumischen, doch achtet sie die Autorität des Gatten und schenkt ihm gar den ersehnten männlichen Thronerben. Dass sie bei der Geburt stirbt, stürzt Henry in eine tiefe Krise. Die persönlichen Verstrickungen rücken in der dritten Auflage von „The Tudors“ jedoch in den Hintergrund. Davor steht das Politische, getrieben von internationalen Spannungen, höfischen Intrigen und einem Glaubenskrieg.

Mit dem amourösen Geplänkel der Vorgängerstaffeln hat das mitunter wenig gemein. Die Macher um Serienschöpfer Michael Hirst („Vikings“) und das Produzentenduo Tim Bevan und Eric Fellner („The Danish Girl“) setzen auf eindringliche und bisweilen überraschend drastische Bilder. Gespeist werden sie von der Rebellion des einfachen Volkes gegen die von Henry vorangetriebene Entmachtung der katholischen Kirche. Anwalt Robert Aske (Gerard McSorley, „Der ewige Gärtner“) wird zum Sprachrohr der u. a. von John Constable (Kevin Doyle, „Downton Abbey“) angeführten Bewegung auserkoren. Henrys Vertrauter Cromwell (James Frain, „Gotham“) gerät über den zunächst friedlichen, prinzipiell aber bis zum Äußersten bereiten Protestmarsch im Norden des Reiches massiv unter Druck. Seine Widersacher, darunter Henrys alter Freund Charles Brandon (Henry Cavill, „Codename U.N.C.L.E.“), sehen darin die Chance, den umstrittenen Nebenbuhler zu diskreditieren.

In Rom setzt die katholische Kirche ob des Aufstands in England alle Hebel in Bewegung, um verlorene Macht zurückzugewinnen. Kardinal Von Waldburg (Max von Sydow, „Shutter Island“) schickt den jungen Geistlichen Reginald Pole (Mark Hildreth, „V – Die Besucher“) aus, um bei den Spaniern und Franzosen für Unterstützung zu werben. Wenn nötig, soll Henry gestürzt werden. Ersatz stünde mit Mary bereit, die, um ihr eigenes Leben zu schützen, ein Dekret unterschreiben muss, das die Ehe zwischen Henry und ihrer verstorbenen Mutter als nichtig bezeichnet. So beginnt auf internationaler Bühne ein Ränkespiel um Verbündete und Koalitionen. Da Henry eine neue Königin benötigt, könnte ein durch Vermählung geschlossenes Bündnis mit den von Rom umworbenen Reichen seine Position stärken. Sein Ruf eilt ihm jedoch voraus, so dass sich schlussendlich einzig die deutsche Anna von Kleve (Sängerin Joss Stone) mit der Heirat einverstanden erklärt. Nur trifft die so gar nicht den Geschmack des tyrannischen Herrschers.

Als sich der Religionskonflikt in England zuspitzt, soll Brandon den Aufstand niederschlagen. Doch es fehlt an Streitkräften und Kriegsgerät. Um Zeit zu gewinnen, lässt er sich auf Verhandlungen ein und macht mit Unterstützung Henrys Zugeständnisse, die jedoch einzig taktischem Kalkül entsprechen. Denn der König denkt gar nicht daran, die Aufständischen ungeschoren davonkommen zu lassen. Den Preis dafür muss Brandon zahlen, der die Aufrührer entgegen der eigenen Überzeugung massenhaft töten soll. Durch den verschlagenen Francis Bryan (Alan Van Sprang, „Reign“) hofft Henry, Pole aufspüren und ausschalten zu können. Um seine Position zu stärken, ist dem König längst jedes Mittel recht. Dass ausgerechnet er selbst einen Großteil jener religiösen Erlasse zurücknimmt, die zur Spaltung des Landes geführt haben, unterstreicht mit bitterer Ironie den Rand des Wahnsinns, an dem sich Henry konstant bewegt.

Die acht Episoden lassen das packende Historien-Drama noch ausschnitthafter wirken als die Vorgänger und erlauben sich naturgemäß Freiheiten bei der Faktentreue. Bereits der sehenswert aufspielende Jonathan Rhys Myers bleibt mit seiner Posterboy-Erscheinung bewusst weit vom echten Henry entfernt. Wiederum bemerkenswert sind auch die detailreiche Ausstattung und die Kostüme, die einen wesentlichen Beitrag zur grundlegenden Glaubwürdigkeit des Stoffes leisten. Das spielstarke Ensemble, das von David Bradley („The Strain“) als Hofnarr und Tamzin Merchant („Jane Eyre“) als Henrys finale neue Gespielin Catherine Howard bereichert wird, verleiht der abgründigen Geschichtslektion das nötige Gewicht. Glanz hat der Königshof hier nur in der Außenansicht. Wenn es dafür noch eines Beweises bedarf, kann das makaber erfüllte Schicksal des am Ende bedauernswerten Cromwell hinzugezogen werden. Zumindest bis zur nächsten Königin an Henrys Seite.

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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