The Trust (USA 2016)

„We’re in the heart of the American dream.“ – Stone

Nicolas Cage und Las Vegas. Da war doch was. Richtig, für seine Darstellung im bitteren Meisterwerk „Leaving Las Vegas“ erhielt der Charakterdarsteller 1997 verdientermaßen den Oscar als bester Hauptakteur. Zwanzig Jahre später ist vom einstigen Glanz wenig geblieben. Zwar ist Cage noch immer gut im Geschäft, doch fristet er zumeist ein Dasein in mittelprächtigen Genrefilmen. Ausnahmen sind rar gesät. Eine davon ist „The Trust“, eine Independent-Produktion zwischen Kriminal-Posse und Thriller-Drama, die Cage neuerlich ins eingangs erwähnte Glücksspielparadies führt. An seiner Seite: der einmal mehr sehenswerte Elijah Wood („Fremd in der Welt“).

Von dem in Kino und TV gern bemühten Glamour der Wüstenstadt rangiert der von Alex und Benjamin Brewer gedrehte Film angenehm weit entfernt. Im Zentrum stehen die abgefuckten Seiten von Las Vegas, die Nebengassen, die Hinterhöfe. In dieser Szenerie arbeiten die beiden Polizisten Stone (Cage) und Waters (Wood). Allerdings sind die beiden keine kriminalistischen Experten, die Fälle lösen und Verbrechern nachstellen, sondern Mitarbeiter der Beweismittelverwaltung. Wie wenig sie in ihrer Stellung ernstgenommen werden, veranschaulicht ein Auftrag des Vorgesetzten, bei dem ihm Stone einen fahrbaren, kurz vor der Zwangsversteigerung stehenden Rasenmäher reservieren soll. Dass den beiden ihr Job stinkt, scheint nur zu verständlich.

Die Chance auf Veränderung sieht Stone gekommen, als er in der Akte eines Drogendealers auf einen horrenden Kautions-Barscheck stößt. Denn wer auch immer Gönner des Kriminellen ist, braucht geringe Barschaft offenbar nicht zu fürchten. Nachdem er Waters in die Entdeckung eingeweiht hat, wittern die beiden erst einen Fall und anschließend den Coup ihres Lebens. Die Nachforschungen führen bald zu einem abseitigen Lagerhaus, dessen großzügig dimensionierter Tresor die Aussicht auf ein besseres Leben verheißt. Als es einen Toten gibt und Waters mit einer als Geisel genommenen jungen Frau (Sky Ferreira, „Baby Driver“) sympathisiert, wird die Vertrauensbasis der Gelegenheitsgangster auf eine harte Probe gestellt.

Ein bisschen Pulp-Feeling, ein bisschen Heist-Aroma. Der unbekümmerte Genre-Mix gibt sich momentweise dezent überdreht (ein Highlight ist die Bestellung eines Diamantbohrers aus Deutschland), schlägt in Hälfte zwei aber zunehmend ernste Töne an. Als Wanderer zwischen den Welten trägt vor allem der stark aufspielende Cage diese Entwicklung: zunächst als gescholtener, nicht einmal vom eigenen Vater (der letzte Auftritt von Kult-Komiker Jerry Lewis, „King of Comedy“) respektierter Außenseiter, danach als kaltblütiger Verbrecher. Gegen Ende, wenn „The Trust“ längst zum düsteren Drei-Personen-Kammerspiel komprimiert wurde, wachsen in Waters die Zweifel. Das mag etwas abrupt erscheinen, scheint im Sinne des konsequent gegen jede Heiterkeit gepolten Ausklangs aber unvermeidlich. Ein keineswegs herausragender und doch überraschend eigensinniger Streifen.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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