The Limehouse Golem (GB 2016)

In London geht ein Mörder um. Das kennt man. Die Herangehensweise, die Regisseur Juan Carlos Medina („Insensibles“) bei der Adaption des Romans „Dan Leno and the Limehouse Golem“ wählt, läuft der Erwartung gängiger Whodunnit-Krimis dennoch zuwider. So ist die Suche nach dem Schuldigen zwar zentraler Antrieb des Plots, wird durch das eng mit ihr verwobene Schicksal von Bühnendarstellerin Lizzie (Olivia Cooke, „Bates Motel“) aber oftmals in den Hintergrund gedrängt.

Der eigenwillige Mix aus Gothic-Schauermär und Drama taucht ins viktorianische Zeitalter ein. Im Londoner Stadtteil Limehouse mehren sich die Funde grausam zugerichteter Leichen. Ein Muster ist dabei nicht zu erkennen, unter den Opfern finden sich Männer und Frauen, Arme und Reiche, Huren und Gelehrte. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Genau aus diesem Grunde wird John Kildare (Bill Nighy, „Best Exotic Marigold Hotel“) mit dem komplizierten Fall betraut. Denn bei Versagen wäre er ein verschmerzbarer Sündenbock.

Mit Assistent Flood (Daniel Mays, „The Infiltrator“) besichtigt Kildare Tatorte und folgt Spuren, bis er in der Bibliothek auf ein mit Notizen des Killers versehenes Buch stößt. Der Kreis der Verdächtigen kann damit erheblich reduziert werden – u. a. auf Karl Marx (Henry Goodman, „Taking Woodstock“), der in der wiederholten Imagination verschiedener Tathergänge aber eine eher skurrile Figur abgibt. Besonderes Augenmerk richten die Ermittler auf den erfolglosen Autor John Cree (Sam Reid, „Anonymous“). Der Haken daran: Er wurde mit Gift getötet. Als Verdächtige empfiehlt sich Lizzie, seine Gemahlin.

Anfänglichen Bildern von Tod und körperlicher Zerstörung folgt bald die episodische Rekapitulation ihres Lebens. In Gesprächen mit Kildare berichtet die inhaftierte, im Gerichtssaal vorab als schuldig abgestempelte Lizzie von ihrer schweren Kindheit. Eine Besserung der Lebensumstände tritt erst ein, als sie im Varieté-Theater von Dan Leno (Douglas Booth, „Stolz und Vorurteil & Zombies“) über Umwege zum Bühnenstar avanciert und darauf von Cree umgarnt wird. Als sich Hinweise verdichten, er könnte der nach jüdischer Folklore Golem genannte Mörder sein, versucht Kildare die Todgeweihte Lizzie vor dem Galgen zu bewahren.

„The Limehouse Golem“ ist die elegant gestaltete und sehenswert fotografierte Anlehnung ans klassische Gruselkino. Durch die ungewöhnliche narrative Struktur und das bedächtige Erzähltempo wird die Zielgruppe jedoch massiv eingeschränkt. Der Film fügt sich deutlich besser ins Arthouse-Programm als auf die Multiplex-Leinwand. Entsprechend mutig mag das Vertrauen der Produzenten ins zweifelsfrei überschaubare kommerzielle Potential erscheinen. Vor allem für ein aufgeschlossenes Publikum bildet das mit Eddie Marsan („Ray Donovan“) und María Valverde („Exodus: Götter und Könige“) bis in die Nebenrollen erlesen besetzte Spiel mit Motiven verschiedener Genres aber sehenswerte – und im Schlussakt durchaus überraschende – Kontrastunterhaltung.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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