The Last House on the Left (USA 1972)

lasthouseontheleftcraven„I wonder what the meanest, foulest, rottenest, woodsiest sex crime ever was? Hey, Krug, what do you think the sex crime of the century was?” – Fred

Zwischen der Ermordung John F. Kennedys, dem Krieg in Vietnam und sich mehrendem Protest im eigenen Land wuchs eine Generation junger Filmemacher heran, die der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft ein zornig überspitztes Spiegelbild vorhielt. Einer dieser filmschaffenden Radikalen ist „Nightmare on Elm Street“-Schöpfer Wes Craven, dessen Zweitwerk „Last House on the Left“ bis heute Maßstäbe in Sachen Gewaltdarstellung auf der Leinwand setzt. Die schonungslose Low-Budget-Produktion bündelt, lose basierend auf Ingmar Bergmanns „Die Jungfrauenquelle“ (1960), den Sinnspruch der Gegengewalt erzeugenden Gewalt zu einem drastischen Pamphlet des kulturellen Verfalls.

Darin wollen die Freundinnen Mari (Sandra Cassel, „Legacy of Satan“) und Phyllis (Lucy Grantham) ein Konzert der Gruppe Bloodlust (!) besuchen, fallen beim vorangehenden Rauschkrauterwerb aber in die Hände des brutalen Ausbrechers Krug Stillo (David Hess, „Das Ding aus dem Sumpf“). Zusammen mit Gespielin Sadie (Jeramie Rain, „The Abductors“) und Messerstecher Fred (Fred Lincoln, „Das Mädchen von Nebenan“) entführt der Psychopath die Mädchen in ein Waldstück nahe des Domizils von Maris Eltern, dem Ehepaar Collinwood. Geschändet, Gedemütigt und Gequält erwartet die Geiseln nach einer zehrenden Tour de Force der Tod. Als die Killer im Haus der Collinwoods unwissentlich Obdach für die Nacht erbeten, löst Maris Anhänger an Krugs Hals eine elterliche Blutrache aus, die den Tätern mit Kettensäge, Messer und Zähnen den Garaus macht.

Cravens Film, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, verdammt den Zuschauer zum hilflosen Augenzeugen von Folter und Mord. Der schwer erträgliche Leidensweg der Mädchen wird durch die sardonische Gleichgültigkeit und das Vergnügen der Täter noch potenziert. Somit schafft der Film einen klugen Zwiespalt, wenn die eingangs verurteilte Gewalt bei der schlussendlichen Bestrafung regelrecht herbeigesehnt wird. Maris Eltern üben ebenbürtig kaltblütige Lynchjustiz. Und mag der Streifen seine Intensität auch mit dem Tod der Teenager, das unberechenbare Spiel mit der Abscheu des Publikums macht den berüchtigten Splatterfilm zu einem Referenzpunkt des Erwachsenenkinos.

Formal ist der von „Freitag der 13.“-Regisseur Sean S. Cunningham produzierte Schocker kaum der Rede wert. „Last House on the Left“ ist eine wutschnaubende Billigproduktion, die Schreckensvision unberechenbarer Nachwuchsfilmer, die den Konventionen des klassischen Erzählkinos nichts abgewinnen können. Ins Gedächtnis brennen sich, abseits Gegensätze schaffender Kreuzschnitte, allein die explizite Zurschaustellung des Martyriums von Mari und Phyllis. In der verstörendsten Szene muss sich letztere in die Hose pinkeln, bevor sie mit Freundin Mari zum Austausch von Intimitäten gezwungen wird. Nach einem missglückten Fluchtversuch wird sie mit Dutzenden Messerstichen bestialisch getötet, wobei ihr selbst ein Stück der bloßgelegten Eingeweide aus dem Bauch gezerrt wird.

Im krassem Kontrast zu diesem schier unerträglichen Zeugnis menschlicher Grausamkeit steht das unnötig humoristisch angehauchte Auftreten eines Sheriffs nebst Deputy (B-Action-Sprechpuppe Martin Kove, „Rambo 2“). Die Szenen des trotteligen Gespanns sind haltlos trashig und sorgen trotz akuter Absurdität für keinerlei Entlastung der quälenden Stimmung. Die besorgt David Hess als grabkalter Mörder fast im Alleingang, wobei er selbst vor der Tötung des eigenen Sohnes nicht zurückschreckt. Für viele Filminteressierte bleibt „Last House on the Left“, obgleich eine geschlossene Bildungslücke, ein einmaliges Vergnügen.

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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