The Kung Fu Cult Master (HK 1993)

the-kung-fu-cult-masterNur selten zeichnet sich der Eastern durch erhöhte Nachvollziehbarkeit aus. Dafür macht er Spaß. Zumindest dann, wenn man sich an der oft bizarren Melange aus Schwerkraft trotzenden Kung Fu-Einlagen und infantilem Humor ergötzen kann. Hongkongs Filmindustrie hat derlei Streifen gleich dutzendfach hervorgebracht. Nach den goldenen Zeiten der siebziger Jahre vollzog sich die zweite Hochphase des Genres in den Neunzigern. Dort begannen Weltkarrieren. Solche wie die des jungen Jet Li.

Der wirkte, nachdem er erfolgreich Wong Fei Hung („Once upon a Time in China“) und Fong Sai-Yuk („Der Vollstrecker“) verkörpert hatte, in „The Kung Fu Cult Master“ mit – 1993 produziert und erst jetzt in Deutschland erstveröffentlicht. Darin wird der Zuschauer gleich zu Beginn von einem Prolog plattgewalzt, der in seiner Dichte locker für drei Filme gereicht hätte, in Wahrheit aber weit mehr gefüllt hat. Denn die Geschichte ist in Fernost mit Tradition gesegnet. Ein Klassiker also, der trotzdem – und gerade für unkundige Westler – nicht leicht zu durchschauen ist.

Als kleiner Junge muss Chang Mo Kei (Jet Li) mit ansehen, wie seine Eltern wegen ihres Wissens um magische Schwerter in den Freitod getrieben werden. Er selbst erhält einen Schlag aufs Haupt, der es ihm folglich – und logisch – unmöglich macht die Kunst des Kampfes zu erlernen. Erst Jahre später, durch eine Intrige des missgünstigen Sung Ching Su (Collin Chou, „DOA: Dead or Alive“) für Tod erklärt, erlangt er auf wundersamen Wegen übermenschliche Kräfte. Der Rache des erlittenen Unrechts steht damit nichts mehr im Wege.

Der Film ist mit enormem Trash-Appeal versehen, was in Anbetracht von Regisseur Wong Jings („City Hunter“) Zutun keine große Überraschung ist. Die Effekte, die Ausstattung und die Kulissen wecken Erinnerungen an die Ära der Shaw Brothers-Produktionen. Da tummeln sich Kämpfer mit wallend weißer Haarpracht und eben solchem Bartwuchs. Da ist ein verbitterter Greis in einen springenden Fels eingelassen. Munter hopsen die Protagonisten, in deren Reihen sich auch Sammo Hung („Powerman“) befindet, durch Pappmaschee und balgen sich in komplett drahtseilunterstützten Choreografien bis die Schwarte kracht.

Dabei geht es nicht nur konfus, sondern auch albern zu. Licht dringt nur wenig durch den verquasten Plot. Der ist mit Aufwand und kunterbunter Action zwischen Handkante und magischer Nebelspritze umgesetzt, lässt neben Stringenz aber vor allem beständiges Sehvergnügen vermissen. Denn so überzogen sich der Streifen auch präsentiert, am bis zum Bersten vollgestopften Design hat man sich schnell satt gesehen. Zumal im Schnittstakkato ohnehin kaum Details auszumachen sind.

Daneben sind es steife Dialoge und Tiefsinn der Marke „Der Vorteil des Alters liegt in der Summe der erworbenen Weisheiten“, die nachhaltig mit dem Kopf schütteln lassen. „The Kung Fu Cult Master“ will alles und erreicht nur wenig. Darstellerisch wird ohnehin der Kniefall vor der Inszenierung geprobt, so dass am abrupt abgeschnittenen Finale – dem keine Fortsetzung mehr folgte – Ratlosigkeit angesagt ist. Meinen die das wirklich ernst? Nicht unbedingt. Den durchwachsenen Gesamteindruck mindert der bewusste Unfug trotz alledem nicht.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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