The Ghouls – Cannibal Dead (USA 2003)

the-ghouls-cannibal-dead„The way I see it the world is a giant dog and I’m just a itsy bitsy tick trying to suck a little bit a blood from its ears.” – Eric Hayes

Der Amateurfilm ist eigenen Gesetzmäßigkeiten unterworfen, wobei zwischen tatsächlichen Amateuren und semiprofessionellen Billigfilmern zu unterscheiden ist. Chad Ferrin, der seinen Werdegang als Produktionsassistent im Russel Crowe-Frühwerk „No Way Back“ beging, zählt zu letztgenannter Kategorie. Sein Regiedebüt gab Ferrin mit der TROMA-Produktion „Unspeakable“, ehe er über den Umweg der hauseigenen TV-Serie „Troma’s Edge TV“ den No-Budget-Streifen „The Ghouls“ produzierte. Neben der Regie steuerte er auch das Drehbuch bei und finanzierte den knapp 10.000 Dollar teuren Film angeblich aus dem Verkauf seines Autos.

Im Zentrum steht Sensationsreporter Eric Hayes (Timothy Muskatell, „Hell Asylum“). Nacht für Nacht zieht er mit seiner Kamera los, um in den finstersten Ecken von Los Angeles Perversion und Abartigkeit auf Film zu bannen. Über die Jahre ist Eric verroht, für spektakuläre Bilder von Mord und Totschlag schaltet er sein Gewissen aus. Das schmutzige Geschäft mit dem Leid seiner Mitmenschen wird erst richtig entfacht, als er im Suff Zeuge einer unglaublichen Tat wird: In einer Seitenstraße zerfleischen blasse Gestalten eine Frau und verspeisen sie. Mit knapper Not kann Eric der grauenhaften Szenerie entkommen. Doch seine Geschichte stößt auf Unglaube, seiner Kamera fehlte an besagtem Abend ein Aufnahmeband. Zusammen mit Kumpel Clift („Toxic Avenger IV – Citizen Toxie“-Autor Trent Haaga) versucht er den kannibalischen Ghouls auf die Spur zu kommen. Ein riskantes Unterfangen.

In matten Handkamerabildern erzählt Chad Ferrin weniger eine zusammenhängende Geschichte, sondern streut vielmehr Asche über das Haupt der Sensationsmedien. Mit zynischer Präzision zeichnet er Hauptfigur Eric als gebrochenen Versager, den der Verzicht auf moralische Werte zum kettenrauchenden Wrack gemacht hat. Als Opfer seiner eigenen Welt überträgt sich das Gefühl der Hoffnungslosigkeit aus dem Spektrum des Protagonisten auf den gesamten Film. „The Ghouls“ wühlt im Dreck der Großstadt, ergötzt sich am urbanen Horror der degenerativen Sozialisation.

In Anbetracht der vordergründigen Gewaltdarstellung – in der deutschen Fassung um rund 8 Minuten gekürzt – mag Ferrin einen Teil des allegorischen Zündstoffs verspielen, was sein Werk mitunter deutlichen Schwankungen unterwirft, doch hält die Unberechenbarkeit des blutigen Underground-Horrors beständig bei Laune. Der Stempel des Amateurfilms passt dabei nur an der Oberfläche, schließlich finden sich mit Joseph Pilato („Day of the Dead“) und Ernest M. Garcia („From Dusk Till Dawn“) renommierte Akteure in der Besetzung wider. „The Ghouls“ ist kein bequemer Film, kein gelacktes Spartenkino für die breite Masse, sondern der dreckige Untergrund. Und der pulsierte lang nicht mehr so überzeugend wie hier.

Wertung: (6,5 / 10)

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