The Cleaners (D/NL/I/USA/BR 2018)

Eine unscheinbare Berufsbezeichnung: „Content Moderator“. Doch dahinter verbirgt sich eine Profession mit Brisanz. Denn die Moderatoren sind eigentlich Zensoren. Im Auftrag von Google, Facebook & Co. löschen sie, was den Frieden im Web und insbesondere den sozialen Netzwerken stören könnte. Ganz oben auf der Liste: Terrorismus, Cybermobbing, Kinderpornografie. Die Moderatoren tauchen in tiefste menschliche Abgründe ein. Das Tagessoll sind 25.000 Bilder, verteilt auf Schichten von zehn Stunden. Das macht im Durchschnitt 1.44 Sekunden pro Bild und damit verbunden die Entscheidung, ob das Material den Richtlinien entspricht oder nicht.

Mit dem Dokumentarfilm „The Cleaners“ bringen die Debütanten Hans Block und Moritz Riesewieck Licht in eine Schattenindustrie, die fernab der öffentlichen Wahrnehmung operiert. Das Geschäft mit der Content-Kontrolle wurde auf die Philippinen ausgelagert, genauer nach Manila. Über ihre Arbeit dürfen die Moderatoren nicht sprechen. Also kommen sie im Verborgenen oder über Zitate zu Wort. Aussteiger haben es leichter. Sie berichten von den traumatischen Folgen. Hundertfache Enthauptungen, Folterungen oder der sexuelle Missbrauch von Kindern hinterlassen unweigerlich ihre Spuren. Persönliche Erfahrungen sind aber nur eine Seite dieses aufwühlenden, durch Schnitt und Sound auch formal unbequemen Werkes.

Die andere Seite zeigt die Auswirkungen, die unzureichende Verantwortlichkeit der Konzerne und nicht zuletzt eine grundlegende Gefahr für die Demokratie. Wo werden Grenzen gezogen? Inwiefern bleibt das Recht auf freie Meinungsäußerung und künstlerische Freiheit unangetastet? Das Risiko zensorischer Willkür scheint allgegenwärtig. Ein fragwürdiger Aspekt liegt dabei im Outsourcing selbst: Den Moderatoren in Manila mangelt es an interkulturellem Wissen. Die Einordnung von (historischer) Relevanz wird dadurch erheblich erschwert. Zudem finden Qualitätskontrollen bestenfalls unzureichend statt. Das ist umso bedenklicher, da neben der Wahrnehmung der Nutzer auch die gebotene Inhaltsfülle zunehmend selektiv wird.

Für die Medienriesen geht es darum, ihre Reichweite und somit die Werbepotentiale zu vergrößern. Die Kooperation mit repressiven Staatsführungen, einschließlich der Einschränkung von Medienangeboten, scheint Teil einer internationalen Strategie zu sein. Die Unternehmen machen damit kalkuliert Einfluss auf die Politik geltend. Natürlich bemüht „The Cleaners“ auch das Beispiel von US-Präsident Donald Trump, der ohne die Macht der sozialen Netzwerke kaum hätte ins Weiße Haus einziehen können. Neben den Content Moderatoren kommen ehemalige Entscheider der Konzerne, Zensuropfer und unabhängige Journalisten zu Wort. Das daraus entstehende Bildnis darf, nein muss als Warnung verstanden werden. Denn die Diskussion um Fake News und schwindende Glaubwürdigkeit von Online-Nachrichten ist lediglich die Spitze des Eisbergs.

Wertung: (8 / 10)

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