The Ataris – Look Forward to Failure (1998, Fat Wreck)

In den späten Neunzigern rüsteten die einschlägigen Punk-Label noch einmal massiv auf. Wer irgendwie ins Programm passte, wurde unter Vertrag genommen. Eine Jahrtausendwende später war der Spaß vorbei. Zumindest teilweise. Während die Verkaufsschlager, solche wie GREEN DAY, THE OFFSPRING und BLINK-182, längst von den Branchenriesen einverleibt worden waren, folgte bei Vorzeigeschmieden des Schlages Epitaph das große Reinemachen. Von dieser Entwicklung war noch wenig zu spüren, als THE ATARIS 1998 für ihre großartige EP „Look Forward to Failure“ bei Fat Wreck anheuerten.

Der Nachfolger ihres im Herbst ’96 bei Kung Fu Records erschienenen Albumerstlings „Anywhere But Here“ ist ein unumstürzlicher Klassiker des Pop-Punks. Das beweist zum Auftakt gleich „San Dimas High School Football Rules“, eine allein im Titel transportierte Hommage an die Komödie „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ (1989). Der Song ist bis heute ein immergrüner Knaller, temporeich und wunderbar eingängig. Dass es das nicht gewesen sein muss, beweisen die Jungs aus Indiana gleich im Anschluss: „Not a Worry in the World“ bringt Emo-Einflüsse ein und lässt Sänger Kris Roe zwischen all den herrlich schmissigen Breaks gar kurzzeitig in Geschrei verfallen.

Der Begeisterung wird die Krone darauf von „My So Called Life“ aufgesetzt, in der Roe mit Wumms, Verve und Augenzwinkern seine Liebe für Schauspielerin Claire Danes gesteht. Dem Song folgte später die Nummer „Ben Lee“, in der Danes‘ Freund zum Hassobjekt erklärt wurde. Wie dieser findet sich auch „San Dimas High School Football Rules“ auf dem ein Jahr später wiederum via Kung Fu herausgebrachten Folgelangspieler „Blue Skies, Broken Hearts…Next 12 Exits“. Darauf vertreten ist auch „My Hotel Year“, ebenfalls mit reduzierterem Tempo und deutlich melancholischem Einschlag versehen. In der EP-Version wird das Stück jedoch nicht instrumental, sondern mit voller instrumentaler Wucht (und obendrein ungekürzt) geschmettert.

Auch „Between You and Me“ erweist sich als schmissig verspielte Emo-Punk-Nummer, mit der die ATARIS ihre Wandlungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen. Der letzte Track im Bunde drückt noch einmal voll auf die Tube: „My Special Girl“, stimmlich unterstützt von BLINK-182-Sänger Mark Hoppus (Background-Vocals zu anderen Songs steuerte ALL-Frontmann Chad Price bei), ist der Schlusspunkt einer famosen EP. Die muss nicht allein zum besten gezählt werden, was Roe und Gefährten je auf Tonträger – hier mit Unterstützung der Produzenten Bill Stevenson, Stephen Egerton (beide ALL/DESCENDENTS) und Joe Cape (LAGWAGON) – gebannt haben, sondern darf auch als absolutes Pop-Punk-Highlight betrachtet werden. Unbedingt anhören!

Wertung: 8.5 Stars (8,5 / 10)

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