Stomper 98 – Althergebracht (2018, Contra Records)

Seit zwei Jahrzehnten zelebrieren STOMPER 98 die Skinhead-Szene: das Leben am Rand der Gesellschaft, den Umgang mit Vorurteilen, den Stolz auf das Anderssein. Ihr mit deutschen Texten und Saxophonbegleitung versehener Street-Punk polarisiert. Für manche zählen die Göttinger zur „Grauzone“, in der die Distanzierung von rechten Strömungen nicht deutlich genug erfolgt. Sie werden auch im Jubiläumsalbum der Band Bestätigung finden. Allein schon des Titels wegen: „Althergebracht“. In ihrer Haltung bestätigt fühlen dürfen sich aber vor allem die Fans. Denn ihnen beschert der um US-Kult-Punk Lars Frederiksen (u. a. RANCID) bereicherte Sechser all das, was die Band auszeichnet: Härte, Attitüde, Hymnen.

Wirklich gesellschaftskritisch wird es nur selten, etwa beim starken „Agenda der Angst“ oder „Keine Helden“. Daneben bleiben STOMPER 98 vorrangig bei sich und der Szene. Die wird mit „Skinhead“ bereits zum Auftakt heftig zelebriert; in dieselbe Kerbe schlägt auch das später folgende „Gesetz der Straße“. Dass der mit Tempo und Dynamik nach vorn gepeitschte Straßen-Rock nicht mit Pathos geizt, sollte nicht überraschen. Ansprechende Beispiele bilden „Wir folgen den Rufen“, das schwelgerische „Für den Augenblick“ oder der Titeltrack. Eine Spur zu dick aufgetragen erscheint lediglich die Ballade „Freiheit“. Fraglos kann die kämpferische Selbstbezogenheit von STOMPER 98 kritisch beäugt werden. In der Hauptsache aber bieten die Niedersachsen das, was sie am besten können: den Soundtrack für eine herbe, von Singalongs durchzogene Party. In diesem Sinne: Gut gebrüllt, Löwe!

Wertung: (7,5 / 10)

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