Steve Jobs (USA 2015)

steve-jobs„Musicians play their instruments. I play the orchestra.“ – Machtmensch und Ideendirigent: Steve Jobs

Filmbiographien folgen einem kalkulierbaren Muster, nach dem die wichtigsten Ereignisse im Leben der porträtierten Person aneinandergereiht werden. „Steve Jobs“ ist anders. Denn würde der einleitende Satz stimmen, hätte es – zumindest nach Drehbuchautor Aaron Sorkin („The News Room“) – im Leben des 2011 verstorbenen Apple-Gründers nur drei Schlüsselmomente gegeben: die öffentlichen Präsentationen des Macintosh (1984), des NeXTcube (1988) und des iMac (1998). Doch mehr als das braucht Produzent und Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionaire“) für seine charakteristische Analyse der bis heute kultisch verehrten Markenikone nicht.

Über den Wahrheitsgehalt lässt sich streiten. Bereits bei seinem Skript zu „The Social Network“ erlaubte sich Sorkin dramaturgische Freiheiten, die den Effekt der Geschichte punktiert verstärken halfen. Die Kehrseite dieser Herangehensweise sind angebrachte Zweifel an der Authentizität des im Film vorgestellten und von Michael Fassbender („Slow West“) leidenschaftlich verkörperten Steve Jobs. Am Unterhaltungswert und der Güte von Schauspielern und Inszenierung rüttelt das jedoch nicht. Sorkin baut den Blick auf Jobs nach dem Buch Walter Isaacsons im Stile eines Theaterstücks auf. Die Handlungsräume bleiben überschaubar, ein komplexes Bild entsteht allein durch wortreiche Diskurse und Dispute.

In deren Zentrum stehen neben Jobs stets dieselben Protagonisten: die treue Apple-Pressesprecherin Joanna Hoffman (wie Fassbender für einen Oscar nominiert: Kate Winslet, „Die Vorleserin“), Geschäftsführer John Sculley (Jeff Daniels, „The News Room“), Apple-Mitbegründer Steve Wozniak (Seth Rogen, „The Interview“) und Programmierer Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg, „A Serious Man“). Hinzu kommt Jobs Tochter Lisa, die er trotz eindeutigem Vaterschaftstest nicht als solche anerkennt, sowie deren Mutter Chrisann Brennan (Katherine Waterston, „Inherent Vice“). Im Vorfeld der bedeutenden Präsentationen verstrickt er sich mit ihnen in flammende Dialoge, die Kameramann Alwin H. Küchler (arbeitete mit Boyle bereits bei „Sunshine“ zusammen) im Stile von „Birdman“ in dynamische Tauchgänge ins Innere des eingefleischten Exzentrikers verwandelt.

Die Entwicklungen zwischen den drei Episoden werden durch Zeitraffer-Montagen und sporadische Rückblenden auf relevante Randereignisse illustriert. Im Kern geht es um Jobs Genius, seine gnadenlose Progressivität und den oft rücksichtslosen Umgang selbst mit langjährigen Vertrauten. Ein zwingend rühmliches Licht werfen Sorkin und Boyle nicht auf ihn. Er bleibt ein Getriebener, der unbedingt schaffen will, aber auch ein Zweifler. So hadert er mit seiner Herkunft, weil ihn die leiblichen Eltern zur Adoption freigaben. Weitere zentrale Motive sind der Machtkampf mit Sculley, der zu Jobs zwischenzeitlichem Ausscheiden bei Apple führt, die mangelnde Bereitschaft, das Entwicklerteam des Apple II zu würdigen – und natürlich Lisa.

Dem reduzierten Ansatz zum Trotz baut der Film Spannung auf. Dialoge werden zu Duellen, Worte zu Pfeilspitzen. Das funktioniert in den Hinterzimmern und Aufgängen der großen Bühnen, auf denen Jobs sprechen und die frenetischen Massen nachhaltig begeistern soll, weitgehend hervorragend. In der letzten Episode erfolgt jedoch ein erzählerisch unpassender Bruch, der Jobs aus dem selbst aufgezwungenen eremitären Sozialverhalten ausbrechen und sich Lisa nähern lässt. Das zuvor mühsam errichtete Bildnis des brillanten Sonderlings wird so seltsam abrupt in eine neue Perspektive gerückt. Wer sich daran nicht stört, erlebt einen eigensinnigen und stark gespielten Ensemblefilm, der mit gängigen Biopics – wie der Steve Jobs-Vita „Jobs“ mit dem fehlbesetzten Ashton Kutcher – angenehm wenig gemein hat.

Wertung: 7.5 Stars (7,5 / 10)

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