Sleepless – Eine tödliche Nacht (USA 2017)

Es ist keine Seltenheit, dass internationale Regie-Talente dem Ruf Hollywoods folgen. Etablieren können sich nur die wenigsten. Geschuldet bleibt dies einer Politik, die kaum Chancen eröffnet. US-Debüts bedienen vorrangig mittelprächtiges, mutloses Genre-Kino. Bleibt der erhoffte Kassenschlager aus, ist das Abenteuer Traumfabrik meist schnell wieder vorbei. Das mussten bereits Matthieu Kassovitz („Gothica“), Mennan Yapo („Premonition – Die Vorahnung“) oder Oliver Hirschbiegel („Invasion“) erfahren. In diese Riege könnte sich auch der gebürtige Schweizer Boran bo Odar reihen, der mit „Who Am I?“ (2014) einen deutschen Kinohit mit Blockbuster-Qualitäten schuf.

Ob er nach seinem Übersee-Erstling „Sleepless – Eine tödliche Nacht“ im US-amerikanischen Filmgeschäft Fuß fassen kann, bleibt abzuwarten. Denn der mäßige Thriller, hierzulande nicht einmal auf großer Leinwand gezeigt, entspricht exakt jenem Standard, der bereits voranstehend genannte Kollegen zu Eintagsfliegen im  Hollywood-Betrieb machte. Dabei standen die Chancen nicht einmal schlecht, konnte für die Hauptrolle doch Oscar-Preisträger Jamie Foxx („Ray“) verpflichtet werden. Allerdings kann auch er nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Remake der französischen Produktion „Sleepless Night“ (2011) kaum über solides Mittelmaß hinausreicht. Dabei krankt der straff durchexerzierte Neunzigminüter vorrangig an klischeehaften Figuren und holprigen Wendungen.

Der „schmutzige“ Cop Vincent Down (Foxx) überfällt mit seinem Partner in Las Vegas einen Drogentransport und erbeutet Stoff mit beträchtlichem Wert. Weil die Kuriere zu Tode kommen, übernehmen die Täter den Fall am Folgetag einfach selbst, um eventuelle Beweismittel verschwinden zu lassen. Doch die toughe interne Ermittlerin Jennifer Bryant (Michelle Monaghan, „Source Code“) wird skeptisch und stellt Vincent mit Unterstützung des Kollegen Dennison (David Harbour, „Stranger Things“) nach. Nur ist das mitnichten sein größtes Problem. Denn Casino-Betreiber Rubino (Dermot Mulroney, „The Grey“) hat ihn als einen der Räuber ausgemacht und lässt seinen Sohn Thomas (Octavius J. Johnson, „Ray Donovan“) entführen.

Als der durch einen Messerstich verwundete Vincent das Rauschgift in Rubinos Etablissement zurückgeben will, funkt ihm Jennifer dazwischen und zwingt ihn in ein atemloses Rennen gegen die Zeit und die Ungeduld des involvierten Brutalo-Gangsters Novak (Scoot McNairy, „Non-Stop“). Bedauerlicherweise resultiert aus dieser Konstellation nur wenig Spannung. Mit stoischer Miene hastet der unterbeschäftigte Jamie Foxx durch Flure und Lüftungsschächte, verbeult hier und da mal eine Visage und entpuppt sich dazwischen – anders als die Hauptfigur im Original – als doch nicht so korrupt wie eingangs unterbreitet. „Sleepless“ bleibt ein Film ohne Ecken und Kanten, durchaus unterhaltsam, aber eben ohne jede erzählerische Finesse. Da bleibt auch für Boran bo Odar wenig Raum, sich auszuzeichnen. Schade, eigentlich.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

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