Sein Name ist Mad Dog (USA 1993)

„Don’t ever fuck with me. Don’t ever lie to me, disrespect me, underestimate me. lf you do, your life becomes a raging sea. But come to me like a man, with your eyes open, head up, hand out, then l become more than a friend, more than a shoulder. l become the expediter of your dreams.“ – Frank Milo

Verkehrte Welt: In „Sein Name ist Mad Dog“ spielt Schauspiel-Chamäleon Robert De Niro („In den Straßen der Bronx“) einen schüchternen Polizeifotografen, während Komiker Bill Murray („Und täglich grüßt das Murmeltier“) als Gangster in Erscheinung tritt. Dass Meisterregisseur Martin Scorsese, der mit De Niro u. a. „Wie ein wilder Stier“ (1980) und „GoodFellas“ (1990) drehte, als Produzent auftritt, unterstreicht sein sicheres Gespür für großes Schauspielerkino. „Groß“ ist in diesem Falle jedoch eine Vokabel, die den von John McNaughton (drehte mit Murray auch „Wild Things“) gefertigten Film kaum zutreffend charakterisiert. Und das nicht allein, weil angeordnete Nachdrehs den ursprünglichen Kinostart um mehr als ein Jahr verzögerten.

Der eigenwillige Mix aus Romanze und Thriller bleibt ein Werk der kleinen Gesten und steht eher in der Tradition des Indie-Kinos. Das offenbart bereits der schwarz-weiße Auftakt, bei dem unter Straßengangstern in Chicago Blut vergossen wird. Im (farbigen) Anschluss geht es vor allem ruhig zu. In der Nähe des Tatorts bewahrt der introvertierte Wayne Dobie (De Niro), genannt „Mad Dog“, den ihm unbekannten Frank Milo (Murray) in einem Kiosk vor einem bewaffneten Räuber. Sein klar strukturiertes Leben wird durch diese Bekanntschaft gehörig durcheinandergewirbelt. Frank zeigt sich so dankbar, dass er seinem alleinstehenden Retter die junge Glory (Uma Thurman, „Pulp Fiction“) nach Hause schickt. Dort soll sie Wayne für eine Woche die Zeit vertreiben.

„You love her? I own her!“ – Frank Milo

Obwohl sich beide sichtlich unbehaglich fühlen, darf die „Belohnung“ bleiben. Zu groß ist die Angst, dass die zur Schuldbegleichung in Franks Diensten stehende Glory bei Nichterfüllung Konsequenzen zu erleiden hat. Dass diese Hypothek so schwer wiegt, liegt vorrangig daran, dass Frank selbst dem Zuschauer ein Rätsel bleibt. Nach außen schmeißt er einen Comedy-Club, in dem er gelegentlich selbst auf der Bühne steht. Daneben verleiht er Geld. Wie viel Dreck er am Stecken hat, deutet das Drehbuch aus der Feder des auch produzierenden Richard Price (Oscar-nominiert für „Die Farbe des Geldes“) lediglich an. Ein weiteres Plus des in schlanken 90 Minuten auserzählten Films ist die zurückhaltende Natürlichkeit, mit der vor allem De Niro und Thurman agieren.

Dass sich die von ihnen verkörperten Figuren allmählich näher kommen, liegt auf der Hand. Nur ist damit ein entscheidendes Dilemma verknüpft: Frank besteht nach Ablauf der Wochenfrist auf die Rücksendung seiner menschlichen Leihgabe. Der frisch verliebte Wayne denkt jedoch im Traum nicht daran, sein unverhofftes Lebensglück wieder herzugeben und riskiert dafür den offenen Konflikt mit seinem unfreiwilligen Gönner. Damit der unscheinbare Cop in diesem ungleichen Kampf nicht allein bestehen muss, hilft ihm sein draufgängerischer, keine Konfrontation scheuender Partner Mike (David Caruso, „King of New York“). „Sein Name ist Mad Dog“, mit Kathy Baker („Picket Fences“) und Tom Towles („NYPD Blues“) auch in Nebenrollen ansehnlich besetzt, ist ein großes kleines Werk, das unaufdringlich Genre-Grenzen überwindet und weder beim unterschwelligen Humor noch den emotionalen Momenten je auf Übertreibung setzt. Typisch Hollywood ist das gewiss nicht.

Wertung: 7.5 Stars (7,5 / 10)

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