Screamers – Tödliche Schreie (CAN/USA/J 1995)

„Things ain’t what they used to be.“ – Hendricksson

In seiner 1952 erstveröffentlichten Kurzgeschichte „Variante Zwei“ lässt Phillip K. Dick („Blade Runner“) die Menschheit zur Ader. Im Dritten Weltkrieg werden darin autonome Roboter geschaffen, die statt der Vernichtung einer Seite die Auslöschung allen Lebens anstreben. Die Lernfähigkeit der künstlichen Intelligenz führt zur Modifizierung nachfolgender Modelle – und zur äußerlichen Angleichung an die Opfer. In der von „Scanners II + III“-Regisseur Christian Duguay 1995 gefertigten Verfilmung des Stoffes wird die autonome Vernichtungsmaschinerie in den Weltraum verfrachtet. Auf dem fernen Planeten Sirius 6B soll sie den Krieg um einen als ultimative Energiequelle geltenden Rohstoff entscheiden.

Wer sich hier im Jahr 2078 aus welchen Beweggründen gegenübersteht, ist letztlich zweitrangig. Von Belang ist lediglich, dass Dauerbombardements den Planeten in endzeitliches Ödland verwandelt haben. Die „Screamers“ genannten und mit Klingen gespickten Kampfroboter, die sich pfeilschnell (und schreiend) durchs Erdreich wühlen, haben sich menschlicher Kontrolle längst entzogen. Auf der für ihre Entwicklung verantwortlichen Seite verrichtet Kommandant Joseph Hendricksson („RoboCop“ Peter Weller) Dienst nach Vorschrift. Nach 10 Jahren verheerender Kampfhandlungen ist es ruhig geworden. Bis ein Soldat der Gegenseite mit einem Friedensangebot auftaucht – und vor Hendrickssons Bunker von Screamers zerstückelt wird.

„Can I come with you?“ – Variante David erregt Mitleid

Als kurz darauf ein Transportschiff mit Bodentruppen abstürzt, aus dem allein der junge Scharfschütze Michael Jefferson (Andrew Lauer, „Caroline in the City“) geborgen werden kann, ahnt Hendricksson, dass er nur Spielball verlogener Anführer auf der Erde ist. Also macht er sich auf, seinen eigenen Frieden zu schaffen. Mit Jefferson begibt er sich zu einer Kommandozentrale des Feindes. Dabei wird ihm schmerzhaft bewusst, dass sich die Screamers selbst modifizieren und zum Zwecke der Infiltration feindlicher Stellungen menschliche Gestalt annehmen können. Das sorgt für paranoide Anschuldigungen, als sie dem zynischen Becker (Roy Dupuis, „Nikita“), Angsthase Ross (Charles Edwin Powell, „Der Gejagte“) und Kommandeurin Jessica Hanson (Jennifer Rubin, „Forbidden Beauty“) gegenüberstehen.

Streckenweise wird die sehenswerte B-Produktion durch ihr überschaubares Budget gehemmt. Das äußert sich vor allem dann, wenn die grundlegend gelungenen Effekte, bei denen auch Stop-Motion-Tricks zum Einsatz kommen, Unterstützung aus dem Computer erhalten. Was den Reiz des heimlichen Science-Fiction-Klassikers bewahrt, ist neben dem sympathisch aufspielenden Peter Weller die abgründige Atmosphäre. Das u. a. von Dan O’Bannon („Total Recall“) verfasste Skript fängt die desillusionierte Essenz der Vorlage packend ein. Dazu passt, dass Action lediglich dosiert eingebracht wird. Im Zentrum steht die zunehmende Ausweglosigkeit, die im Angesicht der Übermacht der Screamers eine versteckte Rettungskapsel als letzten Strohhalm bereithält. Die Spannung wird bis zum überraschenden Finale clever aufrechterhalten und durch stimmungsvolle Bilder und gelungene Horror-Anleihen sinnvoll ergänzt. Auch nach mehr als 20 Jahren eine klare Empfehlung.

Wertung: 7.5 Stars (7,5 / 10)

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