Rivalen unter roter Sonne (F/USA 1971)

rivalenunterrotersonneDer Western steckt voller harter Männer. In der europäischen Variante bisweilen so hart, dass sie bei einem Eisenbahnraub gar das Ableben Unschuldiger in Kauf nehmen. Das schließt auch Tausendsassa Charles Bronson („Spiel mir das Lied vom Tod“) mit ein, dem die Kooperation mit dem französischen Gentlemanbanditen Gauche (Alain Delon, „Killer stellen sich nicht vor“) nur bedingt gut bekommt. Das Ziel des gemeinsamen Überfalls ist ein Zug, in dem neben erhöhter Barschaft auch der japanische Botschafter (Tetsu Nakamura, „Mothra bedroht die Welt“) durch die Prärie kutschiert wird.

Im Gepäck des Staatsgastes befindet sich ein kostbares Schwert, das dem amerikanischen Präsidenten zum Geschenk gemacht werden soll. Weil das aber die Aufmerksamkeit Gauches auf sich zieht, steckt er das ungewöhnliche Präsent kurzerhand ein. Nebenbei lässt er noch Partner Link (Bronson) in die Luft sprengen, schließlich erhöht das seinen Anteil an der Beute um ein beträchtliches. Doch der Betrogene ist mitnichten tot, wohl aber stinksauer. Zumal sich Kuroda Jubie (Toshirô Mifune, „Die sieben Samurai“), der Leibwächter des fernöstlichen Gesandten an seine Fersen heftet.

Der in China geborene Regisseur Terence Young („James Bond – Liebesgrüße aus Moskau“) schuf mit „Rivalen unter roter Sonne“ zugleich actionreiches Abenteuer und augenzwinkernden Kulturclash. Der schwer unterhaltsame Vorläufer des Buddy Movies wagt den Spagat zwischen der harten Spielart des Euro-Westerns und der elegischen Ruhe des japanischen Samuraifilms. Die Mischung ist so rasant wie furios, was durch den trockenen Humor zum schieren Selbstläufer avanciert.

Binnen sieben Tagen soll Kuroda das Schwert zurück bringen, sonst muss er sich im Angesicht der Schande seines Versagens das Leben nehmen. Link hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig und gedenkt, den in Kleidung und Verhalten arg seltsamen Fremdling schnell hinter sich zu lassen. Doch die Geduld und Scharfsinnigkeit des Japaners überrumpeln den Cowboy ein ums andere Mal. So groß die Unterschiede zwischen beiden Männern auch sein mögen, die Gemeinsamkeit der Jagd auf Gauche genügt, um sie bald zum schlagkräftigen Gespann zu formen.

Weil Young die japanische Kultur – in Sachen blutigem Schwertkampf auch die Ästhetik des fernöstlichen Kinos – über weite Strecken mit Respekt behandelt, geht der Humor niemals allein auf Kosten des asiatischen Ehrenmannes. Der Witz resultiert vielmehr aus dem Szenario des Fremden in einer ihm gänzlich unvertrauten Umgebung. Neben dem stoischen Routinier Mifune brilliert Charles Bronson einmal mehr als charmantes Raubein. Er versprüht typische Coolness, während Frankreichs Schauspielidol Alain Delon mit sichtlicher Freude den eiskalten Killer gibt. Für einen Schuss Erotik sorgt anbei Ursula Andress („James Bond jagt Dr. No“) als Gauches Geliebte Christina.

Dem simpel gestrickten Inhalt geht im Schlussdrittel etwas die Puste aus. Wenn Link und Kuroda den Widersacher über die Entführung Christinas aus der Reserve locken wollen, verfügt das über weit weniger Tempo als der turbulente Vorlauf. Statt dessen verstrickt man sich in den Kampf mit Indianern, deren Darstellung in gewohnter Zweifelhaftigkeit erfolgt. Die Ureinwohner genügen als kreischende Wilde, die zielgerichtet vom Pferd geschossen werden. Mehr als den dramatischen Showdown dürfen sie dabei nicht anheizen. Trotz kleinerer Schwächen bleibt der muntere Streifen eine überaus sehenswerte Referenz für Liebhaber beider Genres – und taugt darüber hinaus als ironisches Actionabenteuer. Ein kleiner Klassiker.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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