Red Machine – Hunt or Be Hunted (USA/CDN 2014)

red-machine-grizzlyIm filmischen Sujet des Tier-Horrors ist Qualität selten (geworden). Ungefähr im Jahresturnus flimmert ein versprengter Beitrag über die große Leinwand (zuletzt solche wie „The Grey“ oder „Bait 3D“), während auf dem Heimkinosektor pro Quartal eine gefühlte Hundertschaft qualitätsloser Billigproduktionen (bevorzugt aus dem Hause The Asylum) jeden Glauben an die Erben von „Die Vögel“ und „Der weiße Hai“ zerstreut. Dabei gibt es selbst abseits der raren Kinoproduktionen zarte Überraschungen zu verzeichnen. Jüngster Beweis ist „Red Machine“, in dem „Saw V“-Regisseur David Hackl eine stargespickte Besetzung an einen ausgewachsenen Grizzly verfüttert.

Auf CGI wird dabei dankbarerweise nahezu verzichtet. Stattdessen kommt der bewährte Bär Bart zum Einsatz, der mit Werken wie „Into the Wild“ bekannt wurde und auch bei „Game of Thrones“ von seinen darstellerischen Fähigkeiten (u.a. Aufrichten, Brüllen, bedrohliches Prankenheben) überzeugen konnte. Dessen Vater, ebenfalls Bart, agierte unter anderem in „Legenden der Leidenschaft“ und „Auf Messers Schneide“. Dass Hackls altmodischer Öko-Horror wie der William Girdler-Klassiker alternativ „Grizzly“ betitelt ist, kommt da nicht von ungefähr. Die dramaturgisch simple Geschichte lässt Rowan (James Marsden, „X-Men“) nach siebenjähriger Haftstrafe in die heimatliche Kleinstadt in Alaska zurückkehren, wo er einen verschollenen Freund (Adam Beach, „Flags of Our Fathers“) suchen will.

Der hat Bärenjäger verbotenerweise in die dichten Wälder geführt. Das resultiert für Rowan schnell in Ärger mit dem entfremdeten Bruder Beckett (Thomas Jane, „Deep Blue Sea“), der als Deputy unter Sheriff Sullivan (Scott Glenn, „Das Schweigen der Lämmer“) Dienst tut. Als die Überreste zweier Holzfäller gefunden werden, ist die Aufregung groß. Denn Becketts taubstumme Frau, die Biologin Michelle (Piper Perabo, „Looper“), ist allein im Wald unterwegs. Bei der Suche nach ihr wird er von Rowans Ex-Freundin, der Ärztin Kaley (Michaela McManus, „Law & Order: New York“) begleitet. Neben Rowan stoßen sie bald auf den von Sullivan engagierten Jäger Douglas (Billy Bob Thornton, „Fargo“). Doch hat der blutrünstige Grizzly längst ihre Fährte aufgenommen.

Hackls schnörkelloser Tier-Terror kommt erfreulich schnell zur Sache und erinnert nicht selten an die Genre-Hochzeit der 70er. Die Erzählung bleibt auf das Wesentliche fokussiert und insgesamt zwar überraschungsfrei, jedoch straff inszeniert und mit dosierten Blutschocks versehen. Mit der Störung des natürlichen Gleichgewichts durch Wilderer und Holzindustrie liefern die Macher gar eine schlüssige Erklärung für die Mordlust des nie dämonisierten Bären. Der bleibt effektiv in Szene gesetzt und darf dem wenig sympathischen Thornton ein Ohr abkauen, ehe im sehenswert reißerischen Finale auf Nahkampf gesetzt wird. Kompetent gemacht, solide gespielt, partiell blutig – für die Verhältnisse des gescholtenen Genres sicher kein moderner Klassiker, dafür aber ein spätes Highlight.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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