Rampage (USA/D 2009)

rampageboll„70 million people – every year – are brought into this earth! What are they doing? Sucking up our resources. There’s too many people, so what do we do? Just keep them around? Let’s kill them! Let’s get rid of them!“ – Kein Mann leerer Worte: Bill

Uwe Boll gefällt sich in der Rolle des Provokateurs. Sein Folterporno „Seed“ offenbarte dies zumindest in der von PETA aufgegriffenen Sequenz reeller Tierschändungen. Der Streifen blieb dennoch unterirdisch. Trotzdem weht dem umtriebigen deutschen Vielfilmer mittlerweile ein anderer Wind entgegen. Durch seine unsäglichen Videospiel-Adaptionen avancierte er zum schlechtesten Regisseur der Welt und diente der Internetgemeinde über Jahre als schieres Hassobjekt. Von aller Abneigung unberührt machte Boll weiter, ließ die Games hinter sich und stieß in den Independent vor. Mit verblüffender Wirkung.

„Tunnel Rats“, so exploitativ er streckenweise auch sein mag, bedeutete einen Wandel. Der darauf folgende „Stoic“ (hierzulande „Siegburg“) sorgte für Entsetzen. Wegen des Themas, der auf realen Ereignissen beruhenden Demütigung und Ermordung eines Häftlings durch seine Zellengenossen, vor allem aber aufgrund des fast dokumentarischen Stils. Plötzlich stand Boll nicht länger für Trash, sondern schien seine Berufung im Segment schroffer Gesellschafts-Tragödien gefunden zu haben. Die Tiraden gegen seine Person ebbten ab. Bis zum Respekt ist es wohl noch ein langer Weg. Ein weiteres Teilstück absolviert er aber auch mit dem radikalen Schocker „Rampage“.

Klimakatastrophe, Bevölkerungsexplosion, Welthunger. Die Nachrichten zeichnen ein Bild des modernen Menschen, das Twentysomething Bill (spielstark: Brandan Fletcher, „The Onion Movie“) mit Verachtung füttert. Wenig Bereicherung verheißt auch das Leben in einer US-Kleinstadt. Die Eltern (Lynda Boyd und Matt Frewer) wollen ihn aus dem Haus, der Job nimmt ihm jeden Antrieb und der wortreich gepriesene Aktionismus seines Freundes Evan (Shaun Sipos, „Final Destination 2“), der über geschwollene Reden aber nicht hinaus greift, geht ihm gegen den Strich. Doch Bill hat einen Plan. Eines Morgens schlüpft er in eine Ganzkörperrüstung aus kugelsicherem Kevlar und richtet in der Innenstadt schwer bewaffnet ein Blutbad an.

Für den deutschen Vertrieb erwies sich der schwer erträgliche Amoklauf als erwartbare Unzumutbarkeit. Neben skrupel- und gleichsam schonungsloser Gewalt verstörte vor allem das Ende. Boll lässt den Schlächter entkommen, dessen eingespielte Statements später im Internet kursieren werden. Die hiesige Fassung lässt in einer veränderten Texteinblendung plötzlich Gerechtigkeit walten und beraubt dem Film seiner Kontroverse. Dass „Rampage“ in der Ausschlachtung und Übertreibung mancher Szene – man beachte den Anschlag auf die Polizeiwache – der Exploitation eines „Tunnel Rats“ näher steht, als der distanzierten Darstellungsweise von Gus Van Sants „Elephant“, scheint verzeihlich. Uwe Boll zeigt abermals seine Qualitäten als von narrativen Konventionen befreiter Kino-Eigenbrötler. Auch das wird nicht jedem gefallen. Deutlich gehobener als der von ihm zuvor kredenzte B-Trash ist der zwiespältige Gegenentwurf zu „Positive Action“-Programmen aber allemal.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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