Pistoleros (I/E 1965)

In den frühen Neunzehnsechzigern, der Warmlaufphase des Italo-Westerns, war die südeuropäische Pferdeoper noch deutlich von US-amerikanischen Standarten geprägt. Das stilbildend rohe, dreckige Moment und nicht zuletzt die Aushebelung klassischer Gut-Böse-Schemata wurde maßgeblich von Genre-Größen wie Sergio Leone („Für eine Handvoll Dollar“) oder Sergio Corbucci („Django“) geprägt. Ein Film, der zwischen den Stühlen – und den Produktionsjahren der genannten Meilensteine – steht, ist „Pistoleros“ (1965). Regisseur und Autor Giovanni Grimaldi („Django – Schwarzer Gott des Todes“), der u. a. auch das Drehbuch zu „Dracula im Schloss des Schreckens“ (1971) verfasste, deutet die Konsequenz des Lebens als Revolverheld an, bietet jedoch einen Ausweg, der in seiner Darstellung reichlich naiv erscheint.

Nach sehenswertem, aus Aquarell-Bildern zusammengestelltem Vorspann wird der Kern der Geschichte bereits in den ersten Dialogzeilen unmissverständlich klar: Beim Ritt durch die Wildnis droht Duke Buchanan (Conrado San Martín, „100.000 verdammte Dollar“) seinem jungen Partner Steve Blaine (Stephen Forsyth, „Der Tod zählt keine Dollar“) mit einer Kugel in der Stirn, sollte der mit seiner Tochter Susan (Anna Maria Polani, „Herkules gegen die Tyrannen von Babylon“) durchbrennen. Denn Steve will dem Leben als Pistolero entsagen und ein einfaches Dasein fristen. Duke sieht das anders. Nach seiner Auffassung gibt es für Männer wie sie keinen Ausweg. Schließlich ist da immer irgendein Emporkömmling, der sich durch ein Duell mit namhaften Kunstschützen profilieren will. Wie es Zufall und Skript aber so wollen, erhält Steve bereits kurz darauf die Chance, sich vom Gefährten loszusagen.

Als Duke nämlich bei einer Schießerei mit einer Gruppe mexikanischer Banditen verwundet wird, macht sich Steve mit Susan aus dem Staub. Es verschlägt die beiden nach Providence, ein beschauliches Provinz-Nest, wo der Erwerb eines Stücks Land die Zukunft als Farmer sichern soll. Doch so leicht kann Steve die Vergangenheit nicht hinter sich lassen und so legt er sich mit den Lokalpatriarchen Jackson (Franco Ressel, „Sabata“) und Burns (mit einer Hand im Gian-Maria-Volonté-Modus: Franco Lantieri, „Ein Loch im Dollar“) an. Der symbolisch vergrabene Colt muss daher bald wieder ausgebuddelt und zum Einsatz gebracht werden. Ärger droht aber auch von Dukes Seite, der die Flüchtigen mit Hilfe seiner durchtriebenen Gespielin Fabienne (Helga Liné, „Blutmesse für den Teufel“) aufspürt und sich für die Rache an Steve in den Sattel schwingt.

Auf der Habenseite kann der angenehm knapp gehaltene Streifen ein paar einfallsreiche Kameraeinstellungen und den starken, traditionell anmutenden Score von Nico Fidenco („Zombies unter Kannibalen“) verbuchen. Dem gegenüber stehen jedoch dezent steife Mimen und eine bestenfalls handwarme Geschichte mit simpler dramaturgischer Entwicklung. Die stilbildende Härte erhält dadurch Ausdruck, dass Einschüsse vereinzelt durch leuchtend rote Kleckse kenntlich gemacht werden. Die Schießereien sind ansehnlich geraten und bieten beim Showdown, der sich selbstredend auf Jackson/Burns und deren Gefolge ausweitet, zudem gute Stunts. Klassikermaterial findet sich hier keines, für Freunde des Spaghetti-Westerns ist „Pistoleros“ – nicht zuletzt durch die mit gelungenem Zusatzmaterial (darunter ein Interview mit Fidenco) angereicherte Blu-ray-/DVD-Combo von Koch Media – aber allemal eine Entdeckung wert.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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