Ozark (Season 1) (USA 2017)

„Money is not peace of mind. Money is not happiness. Money is, at its essence that measure of a man’s choices.“ – Marty Byrde

Die moderne US-Serienlandschaft verändert alles. Und jeden. Ein treffliches Beispiel ist Schauspieler Jason Bateman, den man bislang vorrangig aus mal famoser („Arrested Development“), mal zotiger („Kill the Boss“) Komödienkost kannte. In der Netflix-Produktion „Ozark“ erhält der 48-jährige nun Gelegenheit, das Publikum von seiner Wandlungsfähigkeit zu überzeugen; nicht allein als Hauptdarsteller, sondern auch als Produzent und Regisseur. Tatsächlich funktioniert diese Abkehr vom Saubermann-Image aus dem Stand. Denn besser und ambivalenter sah man Bateman nie. Aber so ist das in der beständig an Einfluss gewinnenden Serienindustrie: Statt Schwarz und Weiß geht es vor allem um die Auslotung der dazwischen liegenden Grauzonen.

In der lebt auch der gewiefte Chicagoer Finanzberater Marty Byrde (Bateman). Der wäscht mit Partner Bruce (Josh Randall, „Greek“) Geld für ein mexikanisches Drogenkartell. Das geht so lange gut, bis ihr Kontaktmann, der nach außen stets entspannt wirkende Del (Esai Morales, „From Dusk Till Dawn“) Verrat wittert. Also gibt es Tote, die gleich in Säurefässern entsorgt werden. Schuld, Unschuld und Mitwisserschaft zählen nicht. Betrug bedeutet Tod. Nur für Marty nicht, der meist rational und seltsam emotionslos wirkt, sich im Angesicht der sicheren Hinrichtung aber um Kopf und Kragen redet. Er erfindet ein alternatives Geschäftsmodell zur Geldwäsche, das den wenig beeindruckten Del zumindest neugierig macht. So muss Marty mit Gattin Wendy (Laura Linney, „The Big C“) und den beiden Kindern, den Teenagern Charlotte (Sofia Hublitz) und Jonah (Skylar Gaertner), überstürzt ins Ozark-Gebirge nach Missouri umsiedeln.

Dort, so berichtete es zumindest Bruce, ließe sich fernab der wachsamen Augen von Drogenfahndung und Staatspolizei in großem Stile Geld investieren, respektive waschen. Die Kinder sind jedoch alles andere als erfreut über die fraglos radikale Veränderung ihrer Lebensumstände. Damit nicht genug, hat Marty durch einen Privatdetektiv herausgefunden, dass Wendy ihn betrügt. Dass ihre Affäre durch Dels Zutun unfreiwillig aus großer Höhe in den Tod stürzt, unterstreicht die Gefahr, der die Familie fortan ausgesetzt ist. Die Kinder werden über die wahren Gründe der Umsiedlung zunächst im Unklaren gelassen. Das „zunächst“ ist in „Ozark“ ein gewichtiger Faktor. Denn zu weit in Richtung „Breaking Bad“ wollten sich die Serienschöpfer Bill Dubuque und Mark Williams („The Accountant“) offensichtlich nicht bewegen.

So ist die untreue Mitwisserin Wendy, die von Marty zur reinen Erziehungspartnerin degradiert wird, bei weitem keine zweite Skylar White. Beide sind involviert, beide sind gewillt, ihr altes Leben zum bestmöglichen Schutz der Kinder hinter sich zu lassen. Doch auch das ist leichter gesagt als getan. Zunächst soll Marty binnen weniger Wochen acht Millionen Dollar waschen. Das erfordert tiefgreifende Recherche in der für ihn fremden Hinterland-Region. Auf das im Gepäck verstaute Barvermögen wird schnell die kriminelle Redneck-Sippschaft Langmore aufmerksam. Um aus deren Mitwisserschaft Kapital zu schlagen, bindet Marty die clevere Ruth (Julia Garner, „The Americans“) in seine Geschäfte ein. Doch die verfolgt eigene Pläne, um dem inhaftierten Vater gerecht zu werden und der Familie – darunter Charlie Tahan („Wayward Pines“) als Teenager Wyatt – ein besseres Leben zu ermöglichen.

Die erzählerische Qualität von „Ozark“ wird durch die ruhige Inszenierung geprägt. Trotz einer beständigen atmosphärischen Anspannung haben offensive Spannungsspitzen – und mit ihr verbunden gewaltbetonte Sequenzen – Seltenheitswert. Die Serie ist wie Hauptfigur Marty – kühl, fokussiert und stets unaufgeregt. Das ist umso beachtlicher, weil es ein Leichtes gewesen wäre, Land und Leute durch schrullige Wesenszüge in den Dienst klassischer Kurzweil zu stellen. In diese Kategorie fällt aber bestenfalls Buddy Dieker (Harris Yulin, „My Soul to Take“), der kauzige, sterbenskranke Zwangs-Mitbewohner der Byrds. Nein, für ein Konzept der einfachen Lösungen steht die Serie nicht. Selbst wenn Martys Teilhaberschaft am Ressort der alleinstehenden Rachel (Jordana Spiro, „Blindspot“) sowie die unlautere Aneignung eines Stripclubs die Sorge um geeignete Investitionsmöglichkeiten zwischenzeitlich auszuräumen scheinen.

Um das Spannungsfeld für den immer wieder in die Rückwärtsbewegung gedrängten Marty möglichst breit abzustecken, stehen ihm zwei antagonistische Hauptparteien gegenüber: Einerseits die alteingesessene Familie Snell, die, angeführt von Patriarch Jacob (Peter Mullan, „Children of Men“), selbst im Drogengeschäft verwurzelt ist – und deren Geschäftsmodell, eng verknüpft mit dem ahnungslosen Geistlichen Mason Young (Michael Mosley, „Sirens“), durch Marty in Gefahr gerät. Andererseits ist da die Staatsgewalt, vertreten durch den schwulen, in seinen Methoden wenig zimperlichen FBI-Agenten Roy Petty (Jason Butler Harner, „Non-Stop“). Er will über Marty das Kartell zu Fall bringen, ermittelt verdeckt und schreckt nicht davor zurück, eine Beziehung mit Ruths Onkel Russ (Marc Menchaca, „Homeland“) einzugehen. An Konflikten mangelt es also nicht. Und da die zweite Staffel längst bestellt ist, dürften diese auch so schnell nicht gelöst werden.

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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