OSS 117 – Er selbst ist sich genug (F 2009)

oss-117-er-selbst-ist-sich-genugThe Pride of French Intelligence Returns!

Ihre Majestät Elisabeth II. hat Austin Powers und Johnny English, Russland die schöne Anna Chapman und Amerika Matt Helm und die Spy Kids. Und wer darf erneut Fronkraisch vor allen möglichen Gefahren schützen? Hubert Bonisseur de La Bath alias OSS 117 (Jean Dujardin) natürlisch! In besonders delikaten Angelegenheiten sowieso, wozu eine Liste mit französischen Nazi-Kollaborateuren zweifelsohne zählt. Der in Rio untergetauchte NS-Wissenschaftler Professor Von Zimmel (Rüdiger Vögler) ist nämlich im Besitz eines Mikrofilms, der die Namen all derer beherbergt, die während des seconde guerre mondiale mit den Deutschen unter einer Baskenmütze steckten.

In den höchsten politischen Kreisen ist die Veröffentlichung der Liste nicht unbedingt wünschenswert, so dass man gerne bereit ist, die angeforderten 50.000 Francs zu zahlen. Mit dem Auftrag wird natürlich der „beste Mann“ OSS 117 beuaftragt. Allerdings zeigt auch der israelische Mossad Interesse daran, die Liste der Résistance-Verräter in die Finger zu bekommen. Hubert muss fortan mit der israelischen Agentin Dolorès Koulechov (Luise Monot) zusammenarbeiten, was dem (selbsternannten) Frauenhelden aber wenig ausmacht, da die Ebengenannte, eine entzückende Zeitgenössin, vorzüglich Nazi-Ärsche tritt.

Drei Jahre nach der ersten Parodie des französischen James Bond-Pendants darf dieser abermals die Grande Nation vor dem Übel dieser Welt bewahren. Jean Dujardin spielt den beinahe antisemitischen und narzisstischen Tollpatsch so köstlich überdreht, dass er trotz seiner Arroganz und Ignoranz absolut liebenswürdig erscheint. Die hübsche Dolorès hält er zunächst für eine Sekretärin, um sich dann später immer wieder wundern zu können, wenn sie „typische Männersachen“ wie etwa Auto fahren fast genauso gut wie er selbst beherrscht. Darüber hinaus erzählt er in ihrem und dem Beisein ihrer ebenfalls jüdischen Kollegen ständig politisch unkorrekte Witze, an anderer Stelle hält er vor einer Nazi-Versammlung ein Plädoyer für die Liebe. Im Dschungel erlegt er ein Krokodil, um es dann am Spieß zu braten, sich dabei aber so dämlich anstellt, dass kein Auge trocken bleiben kann.

Jean Dujardin, den man 2009 auch als Lucky Luke sehen durfte, kann mit der zweiten Persiflage der langlebigsten Agentenreihe Frankreichs, die 255 (!) Romane und bislang acht (richtige) Verfilmungen umfasst, seinen Ruf als einer der witzigsten französischen Schauspieler festigen. Einerseits kopiert er den Stil der 60er-Jahre Filmspione, als wäre er selbst einer von ihnen, andererseits persifliert er diese vortrefflich. Besonders zum Schluss hat er es auf den Connery’schen 007 abgesehen, worüber sich besonders Fans des britischen Überspitzels sicherlich umso mehr amüsieren können. Der Rest der Darstellerriege hat ebenso erheiternde Momente, wie etwa der CIA-Kollege Bill Trumendous (Ken Samuels), der immer während einer Konversation mit Hubert diesen etwa mit „ass licking stupid motherfucker“ anspricht, da ihn dieser ohnehin nicht versteht.

Der Running Gag mit den Chinesen, die ständig aus dem Nichts auftauchen um sich am besten Mann von SDECE zu rächen, ist auch ganz amüsant. Schade ist nur, dass Carlotta (Reem Kherici) zu wenig Screentime bekommen hat, da sie für den männlichen Part des Publikums wahrlich eine Augenweide darstellt. Als überaus gelungen muss man übrigens die deutsche Synchronisation bezeichnen, die wie beim ersten Teil Oliver Kalkofes Mastermind entsprang. Er selbst leiht natürlich wieder dem Top-Spion seine Stimme, was wie schon zuvor im ersten Teil wunderbar funktioniert. Das zweite Abenteuer von OSS 117 (oder eben das 10., wenn man die Reihe von 1956 bis 1971 mitrechnet) hat aber auch seine Schwächen, so etwa debile Ideen wie vögelnde Vögel zu zeigen – wer sich an die die ratternden Ratten in Michael Bays Hirnzersetzer „Bad Boys II“ erinnert, versteht die Tragik. Nichtsdestotrotz bleibt „OSS 117: Rio ne répond plus“, so der Originaltitel, eine spaßige Angelegenheit, die nicht an den Erstling heranreicht, aber immer noch verdammt viel Freude macht.

Wertung: (7 / 10)

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