Miozän – Surrender Denied (2017, Demons Run Amok)

„I will remain strugglin‘ everyday / Lionhearted – fighting spirit / Until the very end of days.“ – ’Surrender Denied’

Hardcore ist Leben, Hardcore ist Liebe. Wer je daran gezweifelt hat, sollte sich die neue Platte von MIOZÄN anhören. Sie ist Ausdruck dessen, was Wille und Anteilnahme bewirken können. Als kurz nach der 2015 vollzogenen Reunion bekannt wurde, dass Bassist und Gründungsmitglied Frank an Darmkrebs erkrankt ist, folgte eine Welle der Solidarität. Freunde, alte Weggefährten und selbst internationale Bands, mit denen die 1991 gegründeten (und 2006 aufgelösten) Hannoveraner im letzten Jahrtausend die Bühne teilten, bekundeten ihre Sympathie.

Mittlerweile hat Frank den Krebs besiegt. Dass der Support der alten Szeneschule seinen Teil dazu beigetragen hat, sollte nicht verwundern. Im Hardcore, das mag in der weitgehenden Kommerzialisierung der Musik gern vergessen werden, geht es seit jeher um Mentalität – und Herz. Durch MIOZÄN zeigt das Genre wieder einmal seinen wahren Charakter und stützt mehr noch seine Bedeutung. Denn in politisch aufwühlenden Zeiten wie diesen, in denen Deutschland aus der Mitte der Gesellschaft heraus nach rechts rückt, kann es gar nicht genug Bands geben, die sich lautstark gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung stemmen.

In erster Linie beschreibt „Surrender Denied“, das erste Album der Niedersachsen seit 2000, jedoch Franks Kampf gegen die schwere Krankheit. Entsprechend deutlich wenden sich die Texte gegen das Aufgeben. Die damit verbundene Wucht geht aber nicht allein von den Lyrics aus, die mit gewohnter Inbrunst  aus Frontmann Kuddel herausbrechen, sondern auch von der Instrumentierung. MIOZÄN standen stets für eine Formel, die Effektivität vor Komplexität setzt. Dass der Old-School-Hardcore nicht nach Innovationen fahndet, sondern bestehende Ideale verteidigt, wird auf dem furiosen Comeback-Langspieler aber keinesfalls als Entschuldigung für Gleichklang vorgeschoben.

Was hier aus den Boxen fegt, ist mit einem Wort als großartig zu bezeichnen. Sei es nun der Titeltrack, der Menschlichkeit predigende Hammer „Reach Out“, „Four Chord Truth“, „No More Words“ oder „Underdog“, mit immensem Druck und hymnischen Gröl-Refrains fegen MIOZÄN das meiste vom Platz, was sich dieser Tage Hardcore schimpft. Melodisch geht es dabei ausgefeilter zu als früher, wobei der punkige Vorschub eine Dynamik mit sich bringt, die den alten Hasen wohl kaum mehr jemand zugetraut hätte. Auch das macht die Platte zu etwas ganz Besonderem. Die alte Schule schlägt zurück – und beschert dem noch frischen Jahr sein erstes faustdickes Hardcore-Highlight!

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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