Lionheart – Welcome to the West Coast II (2017, Beatdown Hardwear/Soulfood)

Im vergangenen Jahr nahmen sich LIONHEART eine Auszeit, um privaten Belangen Vorrang zu gewähren. Dass sie sich dafür im Opener („Cali Stomp“) ihres neuen Albums „Welcome to the West Coast II“ entschuldigen, untermauert den Ernst und das Herzblut, mit dem die Kalifornier ihre Musik entwickeln. Nur muss das nicht automatisch in ein packendes Ergebnis münden. Denn die im Titel an die 2014er-EP „Welcome to the West Coast“ anknüpfende Platte kehrt die Stärken des Quintetts souverän nach außen, erscheint dabei aber nicht selten seltsam generisch und ohne zwingende Impulse nach vorn gepeitscht.

Die Selbstreflexion kommt nicht nur beim mit schmissigen „LHHC“-Chants versehenen Auftakt zum Tragen, sondern auch beim abschließenden, von DEEZ NUTS-Shouter JJ Peters begleiteten „LHHC ‘17“. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der beste Beitrag, „Trial By Fire“, der vorab bereits als Single veröffentlicht wurde. Der sich an (abgründigen) Befindlichkeiten (u. a. „Still Bitter, Still Cold“), Sell-Out-Bashing („Vultures“) oder gesellschaftlichen Schattenseiten („Thirty Years“) abarbeitende Rest bietet metallisch geprägten Hardcore im meist mittleren Tempobereich. Das funktioniert, wie beim flotteren „Shelter“, mal besser, verbleibt nicht selten aber schlicht ohne nachhallende Wirkung.

Auf ihrem neuesten Streich wirken LIONHEART von Routine getrieben. Die Instrumentalfraktion bietet fette Riffs und ballernde Drums mit gewohnt barschen Breakdown-Einlagen. Auch die Shouts verfügen über die nötige Wucht. Nur wird man dabei das Gefühl nicht los, exakt dieselbe Scheibe mit exakt denselben Songs schon dutzendfach mit anderem Bandnamen auf dem Cover gehört zu haben. Das macht „Welcome to the West Coast II“ längst nicht schlecht – nur eben überraschend austauschbar.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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