Life (USA 2017)

Eine der drängendsten Fragen der (jüngeren) Menschheitsgeschichte rankt sich darum, ob wir die einzige Lebensform im Universum sind. Antworten blieben bislang aus. Also hat sich die Filmwirtschaft ihre eigene Realität geschaffen. Seit Jahrzehnten werden auf Leinwand oder Bildschirm Geschichten von der Begegnung mit außerirdischen Wesen erzählt. Mal verfolgen sie friedliche Absichten, meist ist ihnen jedoch an der Unterwerfung der Erde gelegen. Wieder andere folgen einzig tierischen Instinkten. Als Blaupause jener Ausrichtung darf der Klassiker „Alien“ (1979) bemüht werden. Dessen Schema folgt auch „Life“, ein starbesetzter Genre-Film, der B-Standards auf A-Niveau bedient und zu keiner Zeit mehr sein möchte als ein schnörkelloser Science-Fiction-Schocker auf den Spuren deutlich origineller Werke.

Warum für diese (auf dem Papier) bedingt reizvolle Rezeptur fast 60 Millionen Dollar Budget bereitgestellt wurden, mag verblüffen. Denn große Namen hin oder her, ein dermaßen oft kopiertes Konzept fährt in den USA selten Gewinne ein. So auch hier. Am Ende spielte der von Daniel Espinosa („Kind 44“) kompetent auf Zelluloid gebannte Streifen gerade einmal die Hälfte der Produktionskosten wieder ein. Als Indikator für das gebotene Qualitätslevel gilt die kommerzielle Zugkraft aber auch diesmal nicht. „Life“ mag grundlegend keinerlei neue Impulse vermitteln, erfüllt als kurzweiliges Horror-Vehikel aber vollends seinen Zweck. Zumal auch hier die bewährte Regel greift: Besser gut geklaut als schlecht erfunden. Das beginnt bereits bei der Einführung der Figuren, für die sich Espinosa Zeit lässt, um nicht leere Hüllen, sondern (halbwegs) plastische Charaktere ins Verderben zu stürzen.

Dessen Auslöser ist eine Mars-Sonde, die eine Bodenprobe vom Roten Planeten zur Erde bringt. Aus Sicherheitsgründen sollen erste Untersuchungen von einem internationalen Spezialisten-Team – u. a. verkörpert von Ryan „Deadpool“ Reynolds und Hiroyuki Sanada („Sunshine“) – an Bord der Raumstation ISS durchgeführt werden. Tatsächlich entdeckt der von der Hüfte abwärts gelähmte Wissenschaftler Hugh Derry (Ariyon Bakare, „New Blood“) im Mars-Sand einen fossilen Einzeller und kann ihn reanimieren. Doch die Begeisterung über den sensationellen Fund schlägt bald in blankes Entsetzen um. Denn der Calvin genannte Organismus besitzt die Fähigkeit, seine multifunktionalen Zellen zu replizieren. Die Bemühungen von Seuchenexpertin Miranda North (Rebecca Ferguson, „Girl on the Train“) und Missionsarzt David Jordan (Jake Gyllenhaal, „Everest“), die rasch wachsende Kreatur zu isolieren, weichen bald einem verzweifelten Überlebenskampf.

Klaustrophobischer Schrecken in den endlosen Weiten des Weltalls. Aus diesem Paradoxon resultierten bereits zahlreiche wirkungsvolle Filme. In Sachen Charaktereinführung und Spannungsaufbau kann Espinosa kein Vorwurf gemacht werden. „Life“ entwickelt eine Dynamik, die auch fesselt, wenn die Gefahr noch gar nicht als solche erkennbar ist. Das schließt kurze Blicke zur Erde ein, die von Euphorie künden und eine Schulklasse den Namen für die neu entdeckte Spezies wählen lässt. Wohlige Genre-Routine kehrt erst ein, als sich Calvin zum zunehmend intelligenten Gallert entwickelt und die Crew nach bewährter Bauart der Reihe nach dezimiert. Im Bestreben, das Wesen vom blauen Planeten fernzuhalten, nimmt das eigene Überleben bald eine eher untergeordnete Rolle ein. So hält der aufwendig gestaltete Klassiker-Nachbau bis zum bösen Finale überraschungsfrei bei Laune und reibt das ansehnliche Ensemble blutig auf. Mehr als das kann manchmal einfach nicht verlangt werden.

Wertung: 6.0 Stars (6,0 / 10)

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