Lemuria – Recreational Hate (2017/2018, Turbo Worldwide/Big Scary Monsters/Asian Man Records)

Um Überraschungen waren LEMURIA nie verlegen. Ihre in den sozialen Netzwerken angebotenen „Secret LPs“ haben fast Tradition. Darauf waren u. a. die ersten Demo-Aufnahmen oder unveröffentlichte Tracks enthalten. Die Nachricht, die das Indie-Trio Mitte Dezember in den Äther schickte, ging aber einen entscheidenden Schritt weiter: Denn hinter dem jüngsten Geheim-Output steckt das neue Album „Recreational Hate“. Wer die Platte blind bestellte, erhielt sie somit weit vor dem offiziellen physischen, für Anfang Februar 2018 anberaumten VÖ-Datum. Für den Rest bleibt bis dahin allein die über das frisch gegründete bandeigene Label Turbo Worldwide bereitgestellte Digital-Variante. Aber sei es drum. Die entscheidende Botschaft lautet: Es gibt einen neuen Langspieler von LEMURIA!

Bei dem erscheint gleich sympathisch, dass es die Urheber mit der Länge nicht übertreiben. Zehn Songs in rund 30 Minuten bilden eine Marke, die im Indie-Rock fast schon als eilige Abhandlung verstanden werden darf. Aber die Band aus Buffalo, New York, bleibt dem eigenen Weg konsequent treu. Das führt zu einem bunten Strauß verspielter Stücke, bei denen auf die liebgewonnene, leicht sperrige Note keineswegs verzichtet werden muss. Am Mikrofon wechseln sich Gitarristin Sheena Ozzella und Drummer Alex Kerns gewohntermaßen ab, wobei beide abseits der klassischen Duett-Momente ausreichend Raum erhalten, sich stimmlich in den Vordergrund zu stellen. Auffällig ist einmal mehr der Abwechslungsreichtum, der umso mehr verblüfft, da der Stil von LEMURIA noch immer als im besten Sinne reduziert bezeichnet werden kann.

Dass hier und dort mal Orgel oder Klavier zum Einsatz kommen, rüttelt nicht am Credo, überflüssigen Zierrat zu ignorieren. Der künstlerische Einflussbereich geht diesmal jedoch weit über 90’s-Indie und Vertreter wie THE DISMEMBERMENT PLAN oder WEEZER (siehe „More Tunnel“) hinaus. Dafür stehen etwa die Country-geprägten Stücke „Kicking In“ und „Trembling“. In ihnen liegt eine schwelgerische Weitschweifigkeit, die unverzüglich zündenden Hits wie „Silver of Change“, das neu aufgelegte „Christine“ oder „Marigold“ eine stimmungsvolle Ergänzung beschert. Die beeindruckende Klarheit des Sounds, getragen vom vierfach Grammy-prämierten Produzenten Chris Shaw (NADA SURF, WEEZER), bietet ein wunderbares Nebeneinander von Leichtigkeit und Melancholie. Das macht auch „Recreational Hate“ zu einem feinen Indie-Juwel weit abseits des großen Industrie-Zirkus. Eine wahrhaft willkommene Überraschung.

Wertung: 8.0 Stars (8,0 / 10)

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