Kong: Skull Island (USA 2017)

„It’s time to show Kong that man is king!” – Verteidigt die Krone der Schöpfung: Preston Packard

Der König der Kinomonster ist zurück. 12 Jahre sind seit Peter Jacksons epochalem, wenn auch dezent selbstverliebtem Remake von „King Kong und die weiße Frau“ (1933) vergangen. Jetzt kehrt der Riesenaffe auf die Leinwand zurück – und ist neuerlich angehalten, sein von Zeit und Fortschritt unangetastetes Inselreich gegen Menschen und Urzeitmonster zu verteidigen. Dabei ist „Kong: Skull Island“ der zweite Beitrag zum „MonsterVerse“, das die Produktionsfirma Legendary Pictures 2014 mit „Godzilla“ eröffnete. Die Weichen für den 2020 angekündigten Clash der Kult-Kolosse sind damit gestellt. Zum Zwecke der Chancengleichheit wurde Kongs Körpergröße auf rund 30 Meter aufgestockt. Solche Dimensionen erreichte der klassische Gigant in Hollywood noch nie.

Für den Film an sich ist das ein geeignetes Referenzmaß. Denn egal ob Flora, ob Fauna, alles wirkt überdimensioniert. Der Mensch verkommt da zwangsläufig zum Winzling. Die Handlung übrigens auch. Das Skript, u. a. verfasst von Dan Gilroy („Nightcrawler“), bietet keine Überraschungen, immerhin aber viel fürs Auge. Zunächst schweift der Blick ins Jahr 1944 und lässt einen US-amerikanischen und einen japanischen Kampfflieger auf einem pazifischen Eiland bruchlanden. Der folgende Zweikampf der Weltkriegskombattanten wird vom plötzlich auftauchenden Kong unterbrochen. Die Frage, wie lange Blockbuster-Debütant Jordan Vogt-Roberts („The Kings of Summer“) wohl brauchen würde, um den eigentlichen Star das erste Mal ins Bild zu rücken, findet damit eine überraschend geschwinde Antwort.

Einen die Zeit vorwärts drehenden Titelvorspann später befinden wir uns im Jahr 1973. Während der Abzug der US-Truppen aus Vietnam vorbereitet wird, schicken sich Regierungsvertreter Bill Randa (John Goodman, „10 Cloverfield Lane“) und der junge Geologe Houston Brooks (Corey Hawkins, „24: Legacy“) an, jene unerforschte, von ständigen Unwetterfronten vor den Augen der Welt verborgene Insel zu erkunden. Als Fährtensucher engagieren sie den britischen Ex-Soldaten James Conrad (Tom Hiddleston, „The Avengers“). Er ist der besonnene Held mit dem ausgeprägten Gut-Böse-Radar. Die damit verbundenen Anforderungen sind rein körperlicher Natur. Doch das gilt nicht allein für Hiddleston, auch die übrige Besetzung – darunter Jing Tian („The Great Wall“) und Richard Jenkins („Bone Tomahawk“) – schaltet stur auf Autopilot.

Am deutlichsten wird das bei Oscar-Preisträgerin Brie Larson („Room“), deren (Anti-)Kriegsfotografin Mason Weaver kaum mehr als hübsches Beiwerk bleibt. Das Drehbuch spendiert ihr ein paar Begegnungen mit Kong, als neue „weiße Frau“ genügt sie aber kaum. Noch eindimensionaler wird es bei Samuel L. Jacksons („Snake on a Plane“) Vollblut-Militaristen Preston Packard. Dessen Hubschrauberstaffel – personell u. a. bestückt mit Shea Whigham („Boardwalk Empire“), Thomas Mann („Blood Father“) und Toby Kebbell („Fantastic Four“) – soll die Mission begleiten, wird jedoch bereits bei der ersten Begegnung mit Kong von felligen Fäusten vom Himmel geholt. Wenn die Kamera aus einem wild umhergewirbelten Helikopter heraus die Ausmaße des Affengiganten erahnen lässt oder er sich vor glühender Abendsonne als unwirklicher Schemen abzeichnet, sind die Höhepunkte des flott auf Kurs gebrachten Blockbusters rasch ausgelotet.

Visuell ist der Film hervorragend gestaltet. Nur wird daneben zu oft (gehobener) Standard gereicht. Am besten funktioniert „Kong: Skull Island“ immer dann, wenn die mysteriöse Insel mit der exploitativen Neugier des B-Kinos ihre Bewohner – und die damit verbundenen Gefahren – vorstellt. Der Angriff der Riesenspinne (mit beiläufiger „Cannibal Holocaust“-Hommage) macht einiges her und auch die „Schädelkriecher“, zweibeinige Reptilien, die aus unterirdischen Hohlräumen hervorkommen, sorgen für Gefahr und Kintopp. Das größte Monster ist aber wieder der Mensch. Denn während Conrad bemüht bleibt, die versprengten Überlebenden in Sicherheit zu bringen, wird Packard von Rache an Kong seinem Verderben entgegengetrieben. Vor allem die um seine Figur drapierten Motive entsprechen klassischen Genre-Schemata. Originell ist das kaum. Dafür aber spektakulär inszeniert.

Hinzu kommt ein komplexes Anspielungspanorama, das sich vorrangig um „Apocalypse Now“ und das eigene Original rankt, daneben aber auch Werken wie „Formicula“ und „Jurassic Park“ Referenz erweist. Keine Frage, die Rückkehr des King Kong auf die große Leinwand kann sich dank optischer Finesse und starker Monster-Action sehen lassen. Nur wirken die am Computer – oder per Motion Capture – erschaffenen Ungeheuer häufig lebendiger als ihre menschlichen Gegenüber. Die belebende Ausnahme in dieser abenteuerlichen Reise ins „Herz der Finsternis“ markiert John C. Reilly („Chicago“), der als humoriger Inselschrat Hank Marlow die exzentrische Erwachsenenausgabe des eingangs gestrandeten Kampffliegers verkörpert. Wie ernst es den Machern bei der Ausgestaltung ihres verwobenen Kreaturen-Kosmos ist, veranschaulicht die Post-Abspann-Szene. Die Welt wird sich in den kommenden Jahren noch auf einige destruktive  Begegnungen mit den Erben des Kaijū Eiga einstellen müssen.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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