King of New York – König zwischen Tag und Nacht (USA/UK/I 1990)

„I spent half my life in prison. I never got away with anything, and I never killed anybody that didn’t deserve it.“ – Frank White

Im Laufe seiner Karriere war Oscar-Preisträger Christopher Walken („Die durch die Hölle gehen“) häufig in Gangster-Rollen zu sehen. Doch kaum eine davon beeindruckt nachhaltig so sehr wie die in „King of New York“. Das 1990 gedrehte Unterwelt-Drama wurde von Independent-Filmer Abel Ferrara inszeniert. Der hatte mit „Driller Killer“ (1979) und dem Folgewerk „Die Frau mit der 45er Magnum“ (1981) von sich reden gemacht und schuf mit „Bad Lieutenant“ (1992) einen intensiven Arthouse-Klassiker. Zwar mutet sein trocken inszenierter Thriller über Aufstieg und Fall eines skrupellosen Verbrechers wie ein konventionelles Genre-Werk an, doch speisen die desillusionierte Milieudarstellung und die prominente Besetzung bis heute den Status eines heimlichen Klassikers.

Ferrara, der mit Walken auch bei „The Addiction“ (1995) und „Das Begräbnis“ (1996) zusammenarbeitete, präsentiert einen visuell reduzierten Stil. Die Bilder wirken trotz des Handlungsortes New York nie groß, sondern wahren eher den Blick für die Schattenseiten von Metropole und Gesellschaft. Der Fokus liegt auf der schnörkellosen Erzählung. Deren Epizentrum ist der von Walken so wortkarg wie ruhelos verkörperte Frank White. Der schickt sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis unverzüglich an, die Stadt zu beherrschen. Dafür schart er eine Gruppe kleiner und großer Verbrecher verschiedener Herkunft um sich – darunter der beiläufig auftauchende Steve Buscemi („Reservoir Dogs“) und der stimmig chargierende Laurence Fishburne („Jenseits der weißen Linie“) als Franks rechte Hand Jimmy Jump – und drängt mit brutaler Vehemenz ins Drogengeschäft.

Die alteingesessenen Mafia-Bosse verprellt er und geht wie selbstverständlich über Leichen. Wer nicht für ihn ist, stirbt. Dass ihm Polizeiveteran Bishop (Victor Argo, „Taxi Driver“) auf den Zahn fühlt, schert Frank nicht. Während der den Gangsterboss mit den lauteren Mitteln des Gesetzes zur Strecke bringen will, sind die heißblütigen Kollegen Gilley (David Caruso, „Kiss of Death“) und Flanigan (Wesley Snipes, „New Jack City“) gewillt, das Problem mit Gewalt zu lösen. An Widersachern mangelt es Frank auf beiden Seiten des Gesetzes nicht. Die Konflikte entladen sich in ruppigen Actioneinlagen, bei denen großzügig Kunstblut aus perforierten Körpern spritzt. Die heftige Gewalt bleibt Ausdruck eines Milieus, in dem die Oberhand behält, wer ohne Skrupel ist. Einen selbstzweckhaften Charakter kann sie trotzdem nicht verbergen.

Dazu passt die Sprache, zumindest im englischen Original, die so derbe erscheint wie die Typen, aus deren Mündern sie dringt. Die Figuren wirken plastisch, selbst wenn sie meist nur grob umrissen bleiben. Wie alles in „King of New York“, den Italiens späterer Ministerpräsident und Medienmogul Silvio Berlusconi über den New Yorker Anwalt Jay Julien co-finanzierte. Dass Frank ein Krankenhaus im Armenviertel erhalten will, dem die Politik die Finanzierung streicht, ändert nichts am zwangsläufig erfolgenden Niedergang. Dahingehend gibt sich das Skript von Ferraras Quasi-Stamm-Autor Nicholas St. John („Krieg in Chinatown“) keiner Illusion hin. So beeindruckt das übertrieben brutale Gangster-Drama durch eine stilsichere Inszenierung und einen bis in kleine Nebenrollen – zu erleben gibt es u. a. Giancarlo Esposito („Breaking Bad“) und Theresa Randle („Malcolm X“) – mit bekannten Gesichtern gespickten Cast. Die dramaturgische Tiefe eines Martin Scorsese erreicht der Film nie. Um bleibende Eindrücke zu hinterlassen, muss er das aber auch nicht.

Wertung: 7.5 Stars (7,5 / 10)

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