Killing Them Softly (USA 2012)

killing-them-softlyAls Quentin Tarantino den Pulp-Thriller salonfähig machte, berief er sich neben klassischen B-Filmen vor allem auf das eigenwillige Gangster-Kino der sechziger und siebziger Jahre. Neben Kult-Autor Elmore Leonard zollte (und zollt) er Brit-Pionierwerken wie „Get Carter“ Tribut, die ihrerseits auch das Oeuvre Guy Ritchies prägten. Daher verwundert es auch nicht weiter, dass ins groteske übersteigerte und gern geschwätzige Genre-Kost stets auf Tarantinos – und daneben auch Ritchies – Einfluss zurückgeführt wird. Entsprechend kommt auch „Killing Them Softly“ nicht um etwaige Anlehnungen herum.

Der zeigt Brad Pitt als unrasierten Auftragsmörder und bauscht diesen zum gesellschaftlichen Sinnbild der sich ausbreitenden Finanzkrise auf. Pitt, der sowohl mit Tarantino („Inglourious Basterds“) als auch Richie („Snatch“) arbeitete, fühlt sich seit Beginn seiner Karriere in abgefuckten Nischenfilmen wohl (siehe „Kalifornia“). Ein solcher ist unbestritten auch die Unterwelt-Ballade Andrew Dominiks, der bereits bei „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ auf Pitts beliebig wandelbare Ausstrahlung setzte. Der Anfang, besser der Antrieb der Geschichte, jedoch gehört anderen.

Möchtegern-Gangster Frankie (Scoot McNairy, „Monsters“) will sich vor Lokal-Pate Amato (Vincent Curatola, „Sopranos“) profilieren und mit seinem vorlauten Kumpel Russell (Ben Mendelsohn, „Killer Elite“) eine illegale Kartenspielerrunde ausnehmen. Im Genrefilm ist das nie eine gute Idee. Vor allem dann nicht, wenn der Plan als todsicher gehandelt wird. Der Verdacht nämlich soll auf Markie Trattman (Ray Liotta, „GoodFellas“) gelenkt werden, den Betreiber jenes Zockerzirkels. Schließlich hat der in der Vergangenheit schon mal das eigene Glücksspiel-Event folgenlos überfallen lassen. Nachdem der Raubzug der verpeilten Pseudos geglückt und das Verdachtsmoment erfolgreich auf Markie gelenkt ist, kommt Killer Jackie Cogan (Pitt) in die verlotterte Stadtkulisse von New Orleans.

Die bildet in beeindruckenden Bildfolgen den trefflichen Rahmen der meist auf engem Kameraraum stattfindenden Dialoge. Ein durch den namenlosen Mob-Advokaten (an Pitts Seite bereits in „Burn After Reading“ präsent: Richard Jenkins) vertretenes Syndikat heuert ihn an, die Angelegenheit zu bereinigen und den Zusammenbruch des illegalen Kartenspiels abzuwenden. Um den offenkundig unschuldigen, jedoch als Zeichen an eventuelle Nachahmungstäter todgeweihten Markie sowie die schnell identifizierten Frankie und Russell will er sich selbst kümmern. Aber Amato kennt ihn persönlich. Und Gejammer und emotionale Einbindung kann der Mietmörder nicht vertragen.

Er braucht Distanz. Also engagiert er den Kollegen Mickey („Sopranos“-Star James Gandolfini, der mit Pitt auch in der Besetzungsliste von „True Romance“ auftaucht), ein gefühlsbetontes, fettes und saufendes Wrack. Ärger ist da unweigerlich vorprogrammiert. Dreckig sind bei „Killing Them Softly“ aber nicht nur das Stadtbild und die äußerliche Erscheinung der Protagonisten. Basierend auf einem Roman George V. Higgins‘ taucht Dominik in einen Mikrokosmos ein, in dem eingebildete Profis langatmige Gespräche führen und das unvermeidliche wie drastisch stilisierte Blutvergießen buchstäblich zur Nebensache erklären.

Während im Radio vom Niedergang der Wirtschaft gesprochen wird, scheinen deren Auswirkungen im Lebensraum der schnoddrigen Figuren längst angekommen. Entsprechend deftig endet der Film mit einer (Vor-)Abrechnung Cogans mit den Verheißungen des frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama. Dies unterschwellig politische Moment gefällt, entschädigt neben durchweg guten Darstellerleistungen aber nicht zwingend für manch zerredete Durststrecke. Ganz ausgewogen scheint der betont düstere, mit vereinzelt bemüht absurden Anekdoten aufgeladene Thriller daher nicht. Unterm Strich sehenswert bleibt er trotzdem. Nur erreicht er eben nicht die Qualität der eingangs bemühten Wegbereiter.

Wertung: (6,5 / 10)

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