Kampfansage – Der letzte Schüler (D 2005)

kampfansage-der-letzte-schueler„Geil Mann, so langsam macht die Sache richtig Laune.“ – Vincent

Der deutsche Film kann wieder auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Vergessen sind die belanglosen Beziehungsgeflechte der Neunziger, die neue Ehrlichkeit des Teutonenkinos entdeckt – abseits der auf Zelluloid gebannten Knopp´schen Gründlichkeit in Sachen Aufarbeitung des Hitler-Regimes – die ungeschönte Sozialbefindlichkeit. Bevor das nationale Filmhoch aber in selbstreflexiver Überfrachtung erstickt, eröffnet der Stuttgarter Autor und Regisseur Johannes Jaeger völlig neue Perspektiven, indem er das B-Action-Genre für den heimischen Markt erfindet.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends legte Jaeger mit zwei Kampfsport-Kurzfilmen den Grundstein seines mit 300.000 Euro realisierten Spielfilmdebüts „Kampfansage – Der letzte Schüler“. Produziert von Action-Papst Hermann Joha („Der Clown“) und seiner Firma Action Concept bedeutet der Film auch für ihn einen Quantensprung. Denn bei TV-Reihen wie „Alarm für Cobra 11“ stimmen zwar die Stunts, Bücher und Dialoge verleiten aber nicht selten zum Haareraufen. Im speziellen Falle von Jaegers Endzeit-Gekloppe birgt allein die Geschichte solch hohes Trash-Potential, dass schauspielerische Leistungen ohnehin zur Nebensache degradiert werden.

In nicht allzu ferner Zukunft ist selbige zur Vergangenheit geworden. Der ökonomische Kollaps brachte Bürgerkrieg, die Kampfhandlungen vernichteten die Gesellschaft. Über die Jahre der Gewalt ging manch technisches Wissen verloren, auch das um Feuerwaffen. Fortan regiert das Faustrecht, die Kunst des Vollkontaktkampfes. Einer der besten seiner Zunft ist Jonas (Mathis Landwehr, „Im Auftrag des Vatikans“). Als jedoch sein Meister von Bösewicht Bosco (Christian Monz, „Die Drachentöter“) getötet und er selbst schwer verletzt wird, sinnt Jonas auf Rache. Zusammen mit Vincent (Volkram Zschiesche) organisiert er den Wiederstand und tritt Bosco entgegen.

Neu ist der Plot von „Kampfansage – Der letzte Schüler“ nicht. Parallelen gibt es reichlich, bevorzugt zu „Fist of the North Star“ und „Robin Hood – König der Diebe“. Die Ähnlichkeit zu letzterem beflügelt den Unterhaltungswert des Streifens ungemein. So gerät Jonas in die Falle von Vincent, seinem späteren Little John. Das Duell mit Holzstöcken lässt nicht lange auf sich warten, immerhin geht es auch hier um die Entrichtung von „Wegzoll“. Während der verräterische Will Scarlett-Charakter ebenso wenig fehlen darf, wie die garstige – hier inzestuöse – Hexe (Zora Holt, „Wilde Engel“), gibt Vincents Schwester Marie (Sinta Weisz, „Schüleraustausch – Die Französinnen kommen“) die Quasi-Maid Marian.

Gründe fürs Fressepolieren gibt’s reichlich. Die Martial-Arts-Sequenzen sind schnell geschnitten, ohne Unübersichtlichkeiten aber auf technisch hohem Niveau. Überhaupt merkt man dem Film in jeder Sekunde das Herzblut der Beteiligten an. Das ist beim deutschen Film nichts neues, wohl aber im hierzulande praktisch nicht präsenten Genre des Actionfilms. Der gibt sich bei seiner Einführung angenehm selbstironisch, was allein Vincent-Darsteller Volkram Zschiesche als arschcooler Revoluzzer versprüht. Die meisten der Akteure sind abseits der Kampfhandlungen allerdings merklich steif, was sich bei den Gegenspielern Jonas und Bosco gerade in den Off-Monologen zeigt.

Neben einem Gastspiel von Esther Schweins („Das Superweib“) gibt es den standesgemäßen Kurzauftritt von Die Ärzte-Drummer Bela B. Felsenheimer („Killer Barbies vs. Dracula“). „Kampfansage – Der letzte Schüler“ ist mehr gewalt- denn gehaltvoll, ein kleines Endzeit-Epos mit spektakulären Kampfszenen und belächelnswerten Dialogen. Dabei punktet Johannes Jaeger in einem Genre, das bislang vorzugsweise dem asiatischen Kino vorbehalten war. Amerikas B-Schiene produziert derlei Werke zwar wie am Fließband, erreicht jedoch nur selten die hier offenbarte Rasanz. Nicht weniger als ein kleinen Meilenstein – zumindest für den deutschen Actionfilm.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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