Interview mit New Next (Juli 2017)

Stellt NEW NEXT und die beflissenen Individuen dahinter doch einleitend kurz vor.

Pippo: Guten Tag, ich spiele die Gitarre und singe und entschuldige den Jonas, der den Bass spielt und beim Interview leider nicht dabei sein kann.

Felix: Hey, ich bin Felix und spiele Schlagzeug und singe die Backing Vocals.

Wenn man es auf eine Vokabel herunterbricht, spielt ihr Rock. Da die von euch gebotene Palette damit aber längst nicht treffend umrissen ist: Was beschreibt euren Sound aus eigener Warte am besten?

Felix: Ich würd sagen Garage mit einer ordentlichen Portion 60‘s, auch wenn das gerade (mal wieder) nicht modern ist.

Pippo: Felix und ich haben sieben Jahre bei den FLOOZIES gespielt. Das war eine Garagen-Band. Auch die PHONOTONES, bei denen Jonas gespielt hat, kamen aus der Garage-Punk-Ecke. Ich denke damals wie heute war das nicht zu glatter Rock mit einer Spur Pop.

Wo liegen eure musikalischen Wurzeln und von welchen Bands und Künstlern seht ihr euch am stärksten geprägt?

Pippo: So lange ich denken kann, hat mich Jazzmusik und allgemein Musik aus den 50er und 60er Jahren begeistert. Bei mir lief alles von Thelonious Monk bis THE WHO. In meiner Jugend habe ich einige Seattle-Grunge- und Brit-Pop-Bands, Rap- und HipHop-Combos gefeiert. Was ich heute an Musik höre, lässt sich im Stil kaum eingrenzen. Momentan laufe ich jeden Tag zum Briefkasten und schaue, ob die neue Scheibe von Ani DiFranco schon angekommen ist.

Felix: Meine Wurzeln liegen im Blues und Dixie Jazz. Dann bin ich vom Weg abgekommen in Richtung Rock n‘ Roll, Psychobilly, dann ab zum Punk und Metal, Doom und Stoner, bzw. 70’s-Rock. Ich würde mich als musikalisch breit aufgestellt bezeichnen.

Ende 2016 habt ihr euer selbstbetiteltes Debütalbum via Valve Records veröffentlicht. Was könnt ihr über den Entstehungsprozess der Platte erzählen?

Pippo: Wir haben etwa ein Jahr im Proberaum Lieder gebastelt, wollten dann anfangen die ersten Konzerte zu spielen und parallel dazu ein Demo aufnehmen. Der Moritz, ein guter Freund von uns, hat wie ein Irrer an den Aufnahmen gearbeitet. So ist aus einer Wochenend-Session unsere Debüt-Vinyl geworden. Und mit unserem ersten Konzert haben wir diese released. Das ging plötzlich alles ganz schnell, auch dank unserem Freund Reinhard von Valve Records in Solingen.

Felix: Das war cool, Pippo und Moritz haben echt Gas gegeben, ich war halt echt nur einen Tag da und hab das Schlagzeug eingespielt. Jonas war auch mehr da als ich, deswegen kann ich da gar nicht so viel zu sagen…

Trotz der Beteiligung von Valve Records ist euer Album eher klassischer DIY-Stoff. Empfindet ihr es als Vorteil, die Fäden allein in der Hand zu halten?

Felix: Ich muss sagen, dass ich es gar nicht anders kenne. Ich habe bisher noch nie in einer Band gespielt, die in irgendeiner Art von einem Label beeinflusst wurde, aber es fühlt sich richtig an für mich. Für gewisse Sachen wie Booking und Werbung und so wäre das natürlich super, jemanden zu haben, der sich kümmert. Wobei Reinhard von Valve uns natürlich unterstützt und vermittelt, wo er kann! Das ist schon cool, wenn man hier und da mal durch ihn an eine Show kommt.

Pippo: Gibt man als Band auf einem Indie-Label denn überhaupt so viele Fäden ab? Ich würde vermuten, nicht. An unserm Album haben drei gute Freunden und wir selber mitgearbeitet, das ist schon ein tolles Gefühl „sich so etwas leisten zu können“.

Viele aufstrebende Bands stellen ihr Songmaterial kostenlos im Internet zur Verfügung. Wie steht ihr dazu?

Felix: Ich denke, das ist halt heute so. Niemand will mehr eine Platte kaufen, ohne reingehört zu haben. Unsere Aufnahmen kann man sich auch für lau auf Bandcamp anhören, der Download kostet allerdings Geld. Außerdem sind wir auch bei diversen Streaming-Diensten, was zwar nicht immer kostenlos ist, aber Geld verdienen wir damit auch nicht. Ich finde das okay, da ich selbst auch viel Musik erstmal so anhöre und wenn mich eine Band umhaut, dann kauf ich mir auch die Platte auf Vinyl. Ich denke, das ist eine interessante Sache, weil der ideelle Wert von einer verkauften Platte deutlich steigt in meinen Augen.

Pippo: Und vielleicht stellen viele aufstrebende Straftäter unser Songmaterial kostenlos im Internet zur Verfügung. Das wäre auch in Ordnung. Mit der Veröffentlichung der Songs war mein größtes Anliegen, der GEMA keine Rechte zu übertragen. Wer also einen Song kauft, der darf damit machen, was er will und muss für die Musik keinerlei Gebühren bezahlen. Da wir alle Vinyl lieb haben war schnell klar, dass, wenn wir pressen lassen, dann eine Schallplatte. Die Pressung haben wir selber finanziert und unser Plan ist, mit den Verkäufen der Platten die Kohle irgendwann wieder drin zu haben.

Mit welchen Themen befasst ihr euch in den Texten eurer Stücke?

Pippo: Bei den Liedern, die ich schreibe, spielt der Inhalt der Texte erst mal eine untergeordnete Rolle. Wenn es ans Texten geht, macht sich Herz- und Weltschmerz oder Melancholie und Irrsinn breit.

Wie waren die bisherigen Resonanzen auf das Album?

Felix: Recht gut. Die meisten, mit denen ich geredet habe, haben gesagt, sie haben mit etwas anderem gerechnet, der Rest hatte irgendwas von den BEATLES erzählt. Da war ich dann auch raus.

Pippo: Wir haben 300 Scheiben pressen lassen. Über die Hälfte ist verkauft, trotz der wenigen Konzerte, die wir bisher gespielt haben. Das freut uns sehr.

Wenn man den Namen NEW NEXT durch die einschlägigen Suchmaschinen jagt, fällt schnell auf, dass ihr euch – im Gegensatz zu den meisten (jungen) Bands – im Netz etwas rarmacht. Ist das eine bewusste Entscheidung oder eher mangelnden zeitlichen Ressourcen zuzuschreiben?

Pippo: Eine bewusste Entscheidung.

Felix: Mangelnde zeitliche Ressourcen.

Wenn die neumodischen Medienkanäle für euch keine Option sind, wie sieht eure Strategie aus, um die Menschen von euren Qualitäten zu überzeugen?

Felix: Wir möchten gern so viel wie möglich live spielen. Das macht eine Band aus, finde ich. Durch Konzerte ergeben sich oft weitere Shows und Bekanntschaften, die einen weiterempfehlen oder so. Klassisch halt.

Pippo: Frag mich bitte in einem Jahr nochmal, ob ich mir über Medienkanäle, Strategie und Qualität Gedanken machen musste. Funktioniert bisher auch ohne.

Pippo, als Mitverantwortlicher des Cow Club in Solingen hilfst du, kulturelle Vielfalt zu fördern. Was kannst du über den Verein und die damit verbundenen Aktivitäten/Angebote erzählen?

Pippo: Wir organisieren seit über 30 Jahren Konzerte für Solinger Nachwuchsbands, aber auch Headliner-Konzerte für nationale und internationale Bands. Der Cow Club ist in ganz Solingen und NRW vernetzt und die beste Anlaufstelle für Alternativ-Kultur-Begeisterte.

Letztes Jahr haben wir den Sampler „Hype City No. 2“ veröffentlicht. 15 Bands auf Vinyl und weitere 14 über einen Download-Code. Eine wirklich gute Scheibe ist das geworden, die einen schönen Rundumblick über die Solinger Band-Szene gibt. Habt ihr die eigentlich schon besprochen?

Bisher nicht. Wenn die letztes Jahr erschienen ist, passt sie aber gut in unser Präsentationskonzept hoffnungslos verspäteter Reviews!

Pippo: Da ich aber auch einen Großteil der letzten 10 Jahre im Waldmeister e.V. verbracht habe, möchte ich diesen hier nicht unerwähnt lassen. Das kulturelle Selbstversorgungsamt liegt in meinem Solinger Stadtteil Wald. Hier findet eine Menge Alternativkultur statt, selbst organisiert und unabhängig von Geldgebern. Am 2. September 2017 gibt’s ein großes 10-Jahre-Geburtstags-Festival, bei dem auch NEW NEXT spielen. Alles weitere unter: www.waldmeister-solingen.de.

Wie oft könnt ihr euch vor Publikum präsentieren – und ist anlässlich der Platte eine Tour geplant?

Felix: Ja.

Pippo: Es fängt jetzt langsam an, dass sich die Clubs für unsere Musik interessieren. Wir freuen uns total, dass unser Freund René an Bord ist. Er hat damals das Booking für die FLOOZIES gemacht und plant jetzt eine kleine Tour für November. Bis dahin versuchen wir alles mitzunehmen, was geht.

Neben den anstehenden/angedachten Konzerten, was sind eure weiteren Pläne für 2017?

Felix: Es stehen neue Aufnahmen im Raum, vielleicht gegen Ende des Jahres. Und ansonsten eben Konzerte, Konzerte, Konzerte. Was eine Band so macht.

Wer mit euch in Kontakt treten möchte, der möge…

Pippo: …nur gute Absichten haben.

Felix: …uns einfach ansprechen auf einem Konzert.

Pippo: Oder auf www.newnext.de vorbeischauen.

Und auch die finalen Worte gehören euch:

Felix: Das ging jetzt alles so schnell. Wie irgendwie alles heutzutage. Wenn ihr die Möglichkeit habt, kommt bei einem Konzert vorbei und habt eine gute Zeit mit uns. Wir sind echt da und nicht nur auf Youtube und wir können mit euch reden und Bier trinken.

Pippo: Jo, dat stimmt!

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