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Tunnel Rats

Review von Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst , 15.09.09


Cover Krieg ist die Hölle. Filme von Uwe Boll („Far Cry“) sind es auch. Jedenfalls normalerweise. „Tunnel Rats“ zeigt den promovierten Zuchtmeister des B-Trash wieder als Autor, Produzent und Regisseur in Personalunion. Es scheint also alles beim Alten. Doch diesmal kam der Film vor dem Videospiel. Zudem verfolgt Boll ein ernstes Anliegen: Er will das destruktive Wesen des Menschen entblößen und diskutiert Vietnam als exemplarischen Moloch, der auch Irak oder Afghanistan heißen könnte. Ob es gerade ihn dazu braucht, bleibt streitbar. Doch die Rechnung geht auf. Wenn auch anders als intendiert.

1968, Cu Chi Region. Die heftigen Bombardements der Amerikaner haben den Vietcong unter die Erde getrieben. Aus einem verzweigten kilometerlangen Netz aus Tunneln und Bunkern heraus erfolgen kontrollierte Attacken. Boll zeigt beide Seiten, fokussiert jedoch auf eine Einheit unerfahrener US-Soldaten, die sich in die engen, mit tödlichen Fallen gespickten Gänge vorwagt. Befehligt werden sie vom despotischen Lieutenant Hollowborn (fad: Michael Paré, „Alone in the Dark II“), der, einem Credo der Gnadenlosigkeit folgend, einen feindlichen Heckenschützen vor den Augen der Untergebenen aufknüpfen lässt.

Die erste halbe Stunde, bis zum infernalischen Einsatz unter Tage, investiert Boll in das soldatische Milieu. Die Stimmung fängt er, dank improvisierter Dialoge, durchaus glaubhaft ein. Von Belang sind die Charakterisierungen der jungen Rekruten allerdings kaum. Sie bleiben austauschbare Gesichter im Sog alles verschlingender Gewalt. Immerhin besteht die Besetzung nicht aus der für Boll üblichen Riege abgehalfterter Stars, sondern führt unverbrauchte, nicht eben zielsicher geführte Mimen (u.a. Mitch Eakins, „Spiel auf Sieg“) wie die Lämmer zur Schlachtbank.

Das Anti-Kriegsdrama scheitert an zwar ungeschönten, jedoch offenkundig selbstzweckhaften Tötungsszenarien. Auch manch blutgetränkte Actioneinlage scheint dem Zwang des exploitativen Spektakels unterworfen, was Erinnerungen an einschlägige italienische Produktionen der Achtziger – und Macher wie Antonio Margheriti – wach ruft. Als Statement bleibt „Tunnel Rats“ so plump wie zwiespältig. Die tollpatschige Melange aus Explikation und Nihilismus aber gerät zu Bolls bislang bestem Werk. Die Message wirkt abgedroschen – die Machart hingegen verweist auf experimentell angehauchten Schund, der in dieser Form verloren geglaubt schien. Dafür danke, Uwe Boll.


Autorwertung: 5.0 von 10 Punkten

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