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Anti-Flag (Interview Mai 2009)



 Zwischen Parolen und eigenem Antrieb

ANTI-FLAG haben sich in den letzten Jahren zu einer der Vorzeigebands in Sachen modernem Punkrock gemausert. Die Band aus Pittsburgh liefert zum einen regelmäßig gute bis herausragende Alben ab und versteht es (fast) wie keine zweite, politische und soziale Missstände anzuprangern. Das wurde auch durch das Gastspiel beim Sublabel „RCA“ von „Sony BMG“ nicht anders. Dennoch kehrte man diesem Label nach zwei Alben überraschend den Rücken, nachdem erst ein Jahr zuvor „The Bright Lights of America“ erschien. Damals stand Sänger Justin Sane Rede und Antwort, heute ebenfalls. Eine gewisse Erleichterung und Vorfreude auf das Kommende ist während des lockeren Plauschs nicht zu leugnen.

Die wichtigste Frage lautet wohl schlicht und einfach, was in den letzten zwölf Monaten passiert ist, dass man bereits nun ein komplett neues und auch stilistisch anderes Album am Start hat, zudem natürlich auch beim viel kleineren Label „SideOneDummy“ anheuerte. Die Gründe dafür erscheinen nach den folgenden Sätzen und einem kurzen Gelächter klar. „Das ist eigentlich eine gute Frage. Also es gibt sicherlich zwei Gründe die dafür ausschlaggebend waren. Denn zum einen hatten wir uns als Band verändert, zum anderen auch unser Label. Allerdings muss ich sagen, dass wir nie vorhatten auf ewig dort zu bleiben. Es war von Anfang an eine Sache auf Zeit. Unser Antrieb war damals ganz klar die politische Situation und die Möglichkeit, uns in größerer Art und Weise mitzuteilen. Da war die Bush-Administration, der Irak-Krieg, Guantanamo, viele Künstler wie GREEN DAY, BRUCE SPRINGSTEEN oder auch die DIXIE CHICKS äußerten sich zu diesen Themen. Aber für uns sprach keiner das aus, was wirklich abging. Insofern war dieser Schritt für uns eine neue und gute Möglichkeit das zu sagen, was uns wichtig war. Die Nachteile waren uns natürlich bewusst. Aber wir wollten alles soweit in den eigenen Händen halten wie möglich. Wir wussten das wir mehr Platten verkaufen würde, aber eigentlich taten wir das gar nicht. All das hat uns eine Menge gebracht, gerade dadurch, dass wir einfach größere Mittel zur Verfügung hatten. Dann aber fiel einiges weg und wir hatten das Gefühl, alles für diese Zeit gesagt und getan zu haben. Auch das Label bzw. die Leute hatten sich verändert, so dass es für uns ein logischer Schritt war, wieder neue Wege zu gehen.“

 „SideOneDummy“ war da fast die logische Konsequenz. Denn zum einen tourte man in den letzten Jahren mit diversen Bands des Labels wie Justin anmerkt (u.a. THE CASUALTIES, FAKE PROBLEMS, GOGOL BORDELLO und FLOGGING MOLLY) und zum anderen kennt man seit vielen Jahren die Leute dort. Der gute Ruf von „SideOneDummy“ ist zudem mehr als ein offenes Geheimnis. Aber auch eine Rückkehr zu „Fat Wreck“ stand wohl irgendwann einmal im Raum. „Wir haben auch mit Mike darüber gesprochen, natürlich wäre das auch eine Option gewesen. Aber wir mögen es halt auch mit neuen Leuten zu arbeiten, insofern haben wir uns schnell für „SideOneDummy“ entschieden. Seitdem wir bei „Fat Wreck“ weg sind, hat sich auch dort einiges verändert. Etliche Bands sind weg gegangen, wobei das auch nicht meine Meinung irgendwie verändert hat. Aber letztlich wollten wir einfach mit neuen Leuten zusammenarbeiten.“

Für „The People Or The Gun“ griffen ANTI-FLAG zudem nicht auf den Bombast des Vorgängers zurück. Vielmehr schloss man sich im eigenen Studio ein und arbeite so einfach und roh es geht am neuen Album. Dem Sound hat dies sicherlich nicht geschadet. „Es war eine unglaubliche Erfahrung für uns. Zum einen ist natürlich alles viel günstiger gewesen, wir haben da nicht so ein Glamour-Studio, sondern alles ist auf das Wesentliche reduziert. Da ein paar Lautsprecher, da ein bisschen Equipment, viel mehr gibt es da nicht (lacht). Für mich selbst war es sehr relaxt. Man konnte ein bisschen aufnehmen, ein Gitarrensolo, dann erst mal Pause machen. Im Internet gibt es so viele Programme die dir helfen können bei der Produktion. Mit nem Apple Laptop kannst Du die Sachen direkt verfeinern und daran arbeiten. Es war mal etwas ganz anderes.“ Unverändert dagegen die Bissigkeit der Texte, was jedoch zumindest bei ihren Konzerten auch mal in Parolendrescherei enden kann. Von der Post-Bush-Ära bis zur gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind die Themen vielfältig, doch besonders der Song „The Economy is Suffering (Let It Die)“ hat es dem Sänger nach längerer Überlegung angetan. „Dieser Song soll den Leuten Mut geben, die in der Krise ihre Existenz oder einen Teil davon verloren haben. In der Regel trifft es den kleinen Mann der ohne Zukunft auf der Straße steht, was aber auf das Konto der CEO´s und Manager geht. Diese Leute haben einfach alles versaut. „The Economy is Suffering...“ soll diesen Menschen einfach helfen.“

Im Song „You are Fired“ und in den entsprechenden Liner-Notes dazu geht es um diverse (rosige) Zahlen der großen Musikindustrie. Nicht von ungefähr kommt für den Außenstehenden wohl der gleichzeitige Wechsel von ANTI-FLAG zum Indie-Label. Auch wenn Justin darin keinen direkten Zusammenhang sieht, spielten natürlich auch solche Dinge eine Rolle für den Labelwechsel. „Das hatte alles mehrere Gründe, aber der Song zielt in erster Linie darauf ab, dass die Musikindustrie weiterhin gutes Geld verdient. Und um nichts anderes geht es. Schau dir doch die ganzen Emo/Screamo Bands der letzten Jahre an, die alle gehypt wurden, alle bestimmten Mustern entsprachen. Damit konnte man schnelles Geld verdienen. Als wir damals angefangen haben Musik zu machen, war das nicht um reich zu werden, sondern aus Liebe zur Musik. Alle jammern jetzt wegen der Downloads im Internet, aber dennoch macht jeder Geld. Darauf wollen wir einfach aufmerksam machen. Die Großen haben nicht die Probleme, sondern die Indies, die halt wirklich noch auf ein paar Verkäufe angewiesen sind.“

 Natürlich ging es auch noch um die diversen Projekte die ANTI-FLAG neben ihrer Haupttätigkeit betreiben, Erwähnung sollen da vor allem die beiden neuen Projekte „Military Free Zone“ und „Underground Action Alliance“ finden. Ersteres richtet sich gegen die Rekrutierungsaktivitäten der US-Army an Highschools, letzteres engagiert sich für eine sozialere Justiz. „Es ist eine Menge Arbeit die dahintersteckt. Aber da steckt unsere Leidenschaft hinter, auch wenn wir dafür natürlich in der Regel nichts bekommen. Die Bezahlung erfolgt dort halt in anderer und wichtigerer Form als in Dollars.“ Und auch wenn die ganze Welt über den Bush-Nachfolger Obama jubelt, so hat auch hier der Musiker seine Einwände. „Er kann gar nicht alles schaffen was die Leute von ihm erwarten. Ich bin froh das er da ist, denn ich finde ihn besser als Bush und McCain, aber ich hoffe er scheitert nicht an den Erwartungen. Aber er hat gute erste Schritte gemacht und ein paar richtige Antworten (Krankenwesen und Menschenrechte) gegeben.

Viel ist also in den letzten zwölf Monaten bei ANTI-FLAG passiert. Geschadet hat es der Band mitnichten, wohl eher kann man die Fans zurückgewinnen, die in den letzten Jahren vom Sound etwas enttäuscht wurden. Denn mit „The People Or The Gun“ knüpft die Band nahtlos an ein Album wie „Underground Network“ an. Überzeugen kann man sich davon natürlich im Sommer auch auf deutschen Bühnen.

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